Steyr-Puch Pinzgauer 710, 712, 716 und 718 Geländewagen
Wer einen Steyr-Puch Pinzgauer fährt, hat den Nachfolger des Haflingers in der Garage: ein Geländefahrzeug aus Graz mit Zentralrohrrahmen, Pendelachsen und Sperren in jeder Achse, gebaut von 1971 bis 2000 in Graz und danach in England. Zwei Generationen sind zu unterscheiden. Die erste mit den Typen 710 und 712 hat einen luftgekühlten Benzinmotor von Puch, die zweite ab 1985 mit den Typen 716 und 718 einen wassergekühlten Sechszylinder-Turbodiesel. Beide Generationen gibt es als Vierradler 4x4 und als Sechsradler 6x6. Diese Seite hilft, das eigene Fahrzeug sicher einzuordnen, und nennt die Werksunterlagen, die für Wartung und Instandsetzung passen.

Woran erkenne ich, welchen Pinzgauer ich habe
Die Typennummer sagt fast alles. 710 ist der Vierradler und 712 der Sechsradler der ersten Generation mit Benzinmotor. 716 ist der Vierradler und 718 der Sechsradler der zweiten Generation mit Turbodiesel. Der Buchstabe dahinter nennt den Aufbau: M für den offenen Mannschaftswagen mit Plane, K für den geschlossenen Kastenwagen, T für die Pritsche, AMB für den Ambulanzwagen, FW für die Feuerwehr, DK für die Doppelkabine.
Auch ohne Papiere ist die Generation von aussen zu erkennen. Der Benziner hat eine glatte Frontwand ohne Kühlergrill, weil der Motor mit Gebläse luftgekühlt ist. Der Turbodiesel hat einen Kühlergrill in der Front und eine Kühlerabdeckung, und die Werksunterlage unterscheidet daran sogar die Ausführungen: P 80 mit kurzer Kühlerabdeckung, P 90 mit vorgezogener Kühlerabdeckung und P 93 mit Ladeluftkühlung und vergrösserten Lufteinlassschlitzen. Die Motornummer beginnt beim P 80 und P 90 mit NY, beim ladeluftgekühlten P 93 mit ADB.
Fahrgestellnummer und Motornummer finden
Bei der ersten Generation ist die Fahrgestellnummer auf der linken Seite am hinteren Achsantriebsgehäuse eingeschlagen. Die Motornummer steht im Motorblock neben dem Verteiler. Beide Stellen sind in der Betriebsanleitung 710 M/K und 712 M abgebildet.
Bei der zweiten Generation trägt das Fahrzeug ein Baumusterschild an der rechten Seite des Luftkanals, sichtbar nach dem Wegklappen der Motorraumdeckelverkleidung. Es nennt die Fahrzeug-Identifizierungsnummer, das zulässige Gesamtgewicht, das zulässige Zug-Gesamtgewicht und die Achslasten. Die VIN ist zusätzlich am Tragrohr vorne rechts eingeschlagen, die Motornummer sitzt an der linken Motorseite.
Die siebzehnstellige VIN der Turbodiesel lässt sich lesen. Nach dem Herstellerkürzel folgt der Fahrzeugtyp 716 oder 718, dann eine Ziffer für die Bauart, 2 für kurz 4x4 und 3 für lang 6x6, danach eine Ziffer für den Aufbautyp, 1 für den offenen Wagen, 2 für den Kastenwagen, 3 für den Stationswagen als Kommandofahrzeug und 4 für das Trägerfahrzeug. Es folgen die Lenkungsausführung, 1 für Linkslenker und 2 für Rechtslenker, sowie der Motor-Getriebe-Index, 1 für Turbodiesel mit Fünfgang-Schaltgetriebe und 2 für Turbodiesel mit Automatikgetriebe. Den Schluss bildet die laufende Produktionsnummer.
Werksdaten der Benziner 710 und 712
Der Motor der ersten Generation ist ein luftgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor von Puch mit 92 mm Bohrung und 94 mm Hub, 2499 ccm, Verdichtung 1:7,8 für Normalbenzin ROZ 91, 90 PS bei 4000 U/min nach DIN und 18,5 mkp Drehmoment bei 2000 U/min. Zündfolge 1-2-4-3, Ventilspiel 0,2 mm einlass und auslass bei kaltem Motor, zwei Gelände-Fallstrom-Doppelvergaser Zenith 36 NDIX. Fünfgang-Wechselgetriebe, Zusatzgetriebe mit Strassen- und Geländestufe, Achsantrieb 37:13, Radantrieb 34:15. Der Tank fasst 75 Liter, das Motoröl ist HD-Öl SAE 30 im Sommer und SAE 10 im Winter. Die Bordspannung ist 24 Volt.
| Typ | Aufbau | Radstand | Länge | Leergewicht | Nutzlast | Gesamtgewicht | Tempo |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 710 M | Mannschaft, Plane, 4x4 | 2200 mm | 4175 mm | 1950 kg | 1000 kg | 2950 kg | 100 km/h |
| 710 K | Kastenwagen, 4x4 | 2200 mm | 4175 mm | 2500 kg | 500 kg | 3000 kg | 100 km/h |
| 712 M | Mannschaft, Plane, 6x6 | 2000 + 980 mm | 4955 mm | 2400 kg | 1500 kg | 4000 kg | 96 km/h |
Für alle drei gilt: Spurweite 1440 mm, Bodenfreiheit unter dem Achsantriebsgehäuse 335 mm beladen, Wattiefe 600 mm, Federweg an den Rädern bis 200 mm, Bremstrommeln 285 mm mit 76 mm Belagbreite, Reifen 245-16 mit Geländeprofil auf Tiefbettfelgen 6,50 K x 16, Luftdruck 1,7 atü vorne und hinten. Die Minimalgeschwindigkeit im Kriechgang liegt bei 4 km/h, die Steigfähigkeit endet auf festem Boden erst an der Haftgrenze der Reifen. Normverbrauch 15 Liter auf 100 km beim Vierradler und 18 Liter beim Sechsradler, im Gelände 6 bis 10 Liter pro Stunde.

Werksdaten der Turbodiesel 716 und 718
Der Motor der zweiten Generation ist ein wassergekühlter Sechszylinder-Reihendiesel mit Abgasturbolader, 76,5 mm Bohrung und 86,4 mm Hub, 2383 ccm, Verdichtung 23:1, Zündfolge 1-5-3-6-2-4. Bis Motornummer NY 002030 leistet er 77 kW oder 105 PS bei 4350 U/min mit 213 Nm zwischen 2400 und 2850 U/min, mit Ladedruck 0,64 bis 0,72 bar. Ab Motornummer ADB 000001 kommt Ladeluftkühlung dazu, die Leistung steigt auf 83 kW oder 113 PS mit 220 Nm bei 0,80 bar Ladedruck. Zahnriementrieb, eine obenliegende Nockenwelle, hydraulischer Ventilspielausgleich. Wahlweise Fünfgang-Schaltgetriebe ZF S 5-18/3 oder Vierstufen-Automatik ZF 4 HP-22 mit Drehmomentwandler, dazu ein zweistufiges Verteilergetriebe. Bordnetz 12 oder 24 Volt, Scheibenbremsen rundum, ZF-Lenkung mit Servounterstützung. Wendekreis 11,7 m beim 4x4 und 13,5 m beim 6x6.
Die zulässigen Gewichte stehen beim Turbodiesel auf dem Baumusterschild. Das im Werksmuster abgebildete Schild eines 716 nennt 3500 kg Gesamtgewicht, 5500 kg Zug-Gesamtgewicht und Achslasten von 1750 kg vorne und 1850 kg hinten. Für die Reifen gibt die Betriebsanleitung eine ganze Tabelle nach Fahrzeugtyp und Fabrikat, üblich sind 235/85 R 16 und 7,50 R 16 C mit 2,5 bis 3,5 bar je nach Achse und Ausführung.

Was Halter am Pinzgauer wissen wollen
Welches Öl gehört in den Benziner
Das Werk schreibt HD-Motoröl vor, im Sommer SAE 30 und im Winter SAE 10. Für Wechselgetriebe, Zusatzgetriebe, Achsantriebe und Radantriebe ist überall Universal-Getriebeöl vorgesehen, je 2 Liter für Wechsel- und Zusatzgetriebe und je 2 Liter pro Achsantrieb, dazu 0,35 Liter je Radantrieb hinten und 0,4 Liter je Radantrieb vorne. Die Füllmengen stehen in der Betriebsanleitung 710 M/K und 712 M.
Warum hat mein Pinzgauer 24 Volt
Die erste Generation ist als Militärfahrzeug durchgehend mit 24 Volt und zwei Batterien ausgelegt, mit Bilux-Scheinwerfern 24 V 55/50 W und Tarnscheinwerfer. Beim Turbodiesel gibt es beide Bordnetze: 12 Volt mit einer Batterie 88 Ah oder 24 Volt mit zwei Batterien 70 Ah. Wer Zubehör nachrüstet, prüft zuerst das Bordnetz.
Wie schalte ich Vorderradantrieb und Sperren
Bei der ersten Generation wird der Vorderradantrieb während der Fahrt mit einem Handhebel hydraulisch zu- und abgeschaltet. Die Differentialsperren in allen Achsen lassen sich einzeln oder gemeinsam von Hand schalten. Beim Turbodiesel erfolgt das pneumatisch, beim 6x6 werden die Sperren der beiden Hinterachsen gemeinsam betätigt. Die Handbremse wirkt über die zentrale Antriebswelle auf die Hinterräder, bei eingeschaltetem Vorderradantrieb auch auf die Vorderräder. Beim Turbodiesel wird der Vorderradantrieb beim Abstellen des Motors automatisch eingeschaltet.
Woran erkenne ich P 80, P 90 und P 93
An der Kühlerabdeckung und an der Motornummer. P 80 hat eine kurze Kühlerabdeckung, P 90 eine vorgezogene, P 93 eine vorgezogene mit vergrösserten Lufteinlassschlitzen und Ladeluftkühlung. Die Motornummer beginnt bei P 80 und P 90 mit NY, beim P 93 mit ADB. Die Betriebsanleitung 716 und 718 zeigt alle drei nebeneinander.
Welche Reifen passen auf die erste Generation
Das Werk nennt 245-16 mit Geländeprofil auf unsymmetrischen Tiefbettfelgen 6,50 K x 16, auf Wunsch Michelin 7.50-16 X Sandreifen. Luftdruck 1,7 atü vorne und hinten.
Wie steil und wie tief darf ich fahren
Der Prospekt nennt 100 Prozent Steigfähigkeit bei Volllast, begrenzt nur durch die Bodenhaftung, 45 Grad Böschungswinkel vorne wie hinten, 700 mm Wattiefe und 335 mm Bodenfreiheit. Die Betriebsanleitung ist vorsichtiger und nennt 600 mm Wattiefe. Im Zweifel gilt die Betriebsanleitung.
Welche Anleitung passt zu einem Fahrzeug aus Armeebeständen
Die Betriebsanleitung 710 M/K und 712 M ist zweisprachig Deutsch und Französisch angelegt und deckt den Mannschaftswagen wie den Kastenwagen ab. Für Fahrzeuge des österreichischen Bundesheeres gibt es zusätzlich die kurzgefasste Betriebsanleitung zum Typ 710 und die Zusatz-Betriebsanleitung zum Typ 712. Der Ersatzteilkatalog 710 M/K und 712 M/K deckt beide Aufbauten ab.
Gibt es eine Anleitung für die Standheizung
Ja. Für die Eberspächer-Standheizung in Pinzgauer und Haflinger gibt es eine eigene Betriebsanleitung. Beim Turbodiesel ist als Nordlandausstattung eine Zusatzwasserheizung Eberspächer D5W mit 5 kW vorgesehen, die auch bei stehendem Motor läuft.
Welche Anleitung passt zu meinem Pinzgauer
Erste Generation 710 und 712, Benziner 1971 bis 1985
- Puch Pinzgauer 710 M/K und 712 M Betriebsanleitung, zweisprachig Deutsch und Französisch, mit Nummernlage, allen Werksdaten und Übersetzungstabellen, 29,90 EUR
- Puch Pinzgauer 710/4x4 und 712/6x6 Betriebsanleitung, Planenverdeck, Stationswagen, Sanitäts- und Feuerwehrausführung, Doppelkabine, 39,90 EUR
- Puch Pinzgauer Typ 710, Bundesheer, kurzgefasste Betriebsanleitung, 24,90 EUR
- Puch Pinzgauer 712, Bundesheer, Zusatz-Betriebsanleitung, 14,90 EUR
- Puch Pinzgauer 710 M Betriebsanleitung, Ausführung für Jugoslawien, 19,90 EUR
- Puch Pinzgauer 710 und 712 Reparaturanleitung, 59,90 EUR
- Puch Pinzgauer 710 and 712 Repair Manual, Englisch, 59,90 EUR
- Puch Pinzgauer 710 and 712 Repair Manual, Manuel de réparation, Englisch und Französisch, 89,90 EUR
- Puch Pinzgauer 710 y 712 Manual de reparación, Spanisch, 59,90 EUR
- Puch Pinzgauer 710 M/K, 712 M/K Ersatzteilkatalog, 89,90 EUR
- Puch Pinzgauer 710 und 712 Ersatzteilkatalog, Spare Parts Catalogue, 79,90 EUR
- Puch Pinzgauer 710 M, 712 M, 710 K, 712 K Konservierungspläne, Nachkonservierung von Spalten und Hohlräumen, 19,90 EUR
- Puch Pinzgauer 4x4, 6x6 Spezifikation, 19,90 EUR
Zweite Generation 716 und 718, Turbodiesel ab 1985
- Puch Pinzgauer 716 und 718 Turbo Diesel Betriebsanleitung, mit Baumusterschild, VIN-Aufschlüsselung und Unterscheidung P 80, P 90, P 93, 29,90 EUR
- Puch Pinzgauer Turbo Diesel P 80, P 90, P 93 Owners Manual, Englisch, 29,90 EUR
- Puch Pinzgauer Turbo D Reparaturanleitung, 716 M, 716 K, 718 M, 718 K, 718 RV Falke, 718 T San, 189,90 EUR
- Puch Pinzgauer Turbo D Workshop Manual, Englisch, 149,90 EUR
- Puch Pinzgauer Turbo D Elektrik Reparaturanleitung, 24,90 EUR
- Puch Pinzgauer 716 und 718 Ersatzteilkatalog, 79,90 EUR
- Puch Pinzgauer Turbodiesel 6x6 Ersatzteilkatalog, Spare Parts Catalogue, 69,90 EUR
Für beide Generationen
- Puch Pinzgauer und Haflinger, Eberspächer Standheizung Betriebsanleitung, 19,90 EUR
- Der Steyr-Puch Pinzgauer des Österreichischen Bundesheeres, Fachbuch, 24,90 EUR
- Puch Pinzgauer Prospekt Der Draufgänger, 710 M, AMB, K und 712 M, DK, K, FW mit Werksdaten und Sonderausstattungen, 19,90 EUR
- Puch Pinzgauer 710 und 712 Prospekt, fünf Ausführungen mit technischen Daten, 9,90 EUR
- Puch Pinzgauer 4x4 Poster, Farbposter im Offsetdruck, 14,90 EUR
Weiterführende Quellen
- Steyr-Puch Pinzgauer bei Wikipedia, Geschichte, Modellübersicht aller Aufbauten, Produktionswechsel nach England 2000
- Steyr-Puch Haflinger bei Wikipedia, der Vorgänger aus Graz
- Johann Puch Museum Graz, mit dem Prototyp des Pinzgauers
- Österreichisches Bundesheer, grösster Erstbesitzer des Pinzgauers
Alle Werksdaten dieser Seite stammen aus den Betriebsanleitungen 710 M/K und 712 M sowie 716 und 718 Turbo Diesel und aus dem Werksprospekt, alle aus unserem eigenen Archiv. Fehlt eine Angabe zu Ihrem Pinzgauer, schreiben Sie uns die Typennummer und die Fahrgestellnummer, wir suchen den passenden Titel heraus.