Puch X 30, X 30 Sport, X 30 Automatik, Turbo, Chopper und X 50 Mofas und Mopeds

Wer ein Puch X 30 oder ein Puch X 50 fährt, besitzt ein selteneres Fahrzeug als die Maxi-Halter, und genau deshalb zählt die richtige Werksunterlage doppelt. Die Betriebsanleitung nennt Einstellwerte, Füllmengen, Mischungsverhältnis und Schaltplan, der Ersatzteilkatalog liefert Bildtafeln und Teilenummern für die Bestellung, und für Arbeiten am Motor braucht es die Reparaturanleitung. Hier finden Sie Faksimiles der damaligen Puch-Werksunterlagen. Entscheidend für die Auswahl sind das Modell, die Getriebeart, das Land der Auslieferung sowie Motor- und Fahrgestellnummer.

Die Werksunterlagen nennen das X 30 Motorfahrrad, Wikipedia führt für Österreich zusätzlich den Namen Sprinter. In Deutschland war es ein Mofa mit 25 km/h, in der Schweiz ein Motorfahrrad mit 30 km/h. Das X 50 mit Handschaltung und Kickstarter ist ein Moped. Auf dieser Seite stehen die Begriffe nebeneinander, so wie sie in der Oldtimer-Szene vorkommen.

Puch X 30 Mofa Baujahr 1976 in Rot, schräg von vorn vor einem Holzstapel
Puch X 30, Baujahr 1976, mit Satteltaschen aus dem Zubehör. Foto: Markus Zinnecker, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Die Baureihe in Kürze

Das X 30 kam Mitte der sechziger Jahre als hochwertige Halbschwester des Maxi auf den Markt. Der Ersatzteilkatalog vom Mai 1971 führt die Modelle ab 1966 auf: X 30 Luxus, X 30 mit Automatik in Luxusausführung und ab 1971 das X 30 Sport mit der Katalogkurzbezeichnung S. Später folgten die Ausführungen N, NL und NS, das X 30 A mit Eingang-Automatik, die Schweizer Modelle N-2AH, NG-2AH und NG-Racing sowie für Deutschland 1984 das X 30 Turbo mit Gussrädern und das X 30 Chopper mit hohem Lenker.

Technisch ist das X 30 eng mit dem Maxi verwandt, unterscheidet sich aber im Fahrwerk: Einrohrrahmen mit Hinterradschwinge, gefederte Vordergabel, ein schlanker Tank am Sitzrohr und grosse Speichenräder, bei manchen Modellen auch Druckgussräder. Frühe Fahrzeuge haben das Tretwerk im Rahmen, spätere im Motorgehäuse. Der Motor ist beim Grundmodell und beim Sport ein Zweitakt-Einzylinder mit Radialgebläse und Dekompressor zum leichteren Starten, beim Turbo und Chopper ist er fahrtwindgekühlt. Geschaltet wird über einen Drehgriff links am Lenker, das X 30 A hat eine Eingang-Automatik.

Das X 50 ist das Moped der Reihe: handgeschaltet mit zwei oder drei Gängen, als X 50-4 mit Vierganggetriebe, Fussschaltung und Kickstarter. Die Ausführungen White Speed und Black Speed wiegen 74 kg, tragen einen Tank mit 5,6 Litern und sind für zwei Personen zugelassen.

Heute ist der Bestand laut Wikipedia in der Schweiz am grössten, in Deutschland und Österreich ist das X 30 selten geworden. Frühe Fahrzeuge mit dem Tretwerk im Rahmen und die Sondermodelle erzielen unter Sammlern hohe Preise. Wer sein X 30 im Alltag fährt, schätzt den robusten Motor und den geringen Verbrauch: Das Werk gab 1,5 Liter auf 100 Kilometer an.

Die wichtigsten Werksdaten

Die Werte stammen aus den Betriebsanleitungen für das X 30 Grundmodell und das X 30 S sowie aus dem Ersatzteilkatalog für das X 50-4. Sie gelten für die Ausführungen mit 30 km/h. Für die deutschen Ausführungen mit 25 km/h gelten die Werte der jeweiligen Anleitung.

Modell Getriebe Leistung Vergaser Zündkerze Tempo Leergewicht Reifen und Luftdruck vorne, hinten
X 30 Grundmodell Zweigang-Handschaltung 0,8 PS bei 3500 U/min Bing 11 mm, Hauptdüse 46 Bosch W 225 T 1 30 km/h 39,5 kg 23 × 2,00
X 30 S Zweigang-Handschaltung 0,8 PS nach DIN bei 3700 U/min Bing 1/11/35, Hauptdüse 48 Bosch W 95 T1 30 km/h 42 kg 21 × 2,25, 1,8 und 2,2 atü
X 50-4 White Speed und Black Speed Viergang-Fussschaltung 1,5 kW keine Angabe im Katalog keine Angabe im Katalog keine Angabe im Katalog 74 kg 2 1/2 × 17 vorne, 2 3/4 × 17 hinten

Motor, Masse und Füllmengen im Vergleich:

Merkmal X 30 Grundmodell X 30 S X 50-4
Motor Zweitakt-Einzylinder Typ EX 30, Umkehrspülung, Radialgebläse, Dekompressor Zweitakt-Einzylinder, Umkehrspülung, Radialgebläse Zweitakt, fahrtwindgekühlt
Bohrung und Hub 38 und 43 mm 38 und 43 mm keine Angabe
Hubraum 49,6 ccm laut Anleitung 48,8 ccm 48,8 ccm
Verdichtung 8,5 1 zu 10 keine Angabe
Zündung Bosch Schwunglichtmagnetzünder, 15 und 2 W Bosch RB1, 6 V, 17 W keine Angabe
Schmierung Gemisch 1 zu 25 Gemisch 1 zu 40 keine Angabe
Tankinhalt 3,7 Liter 4 Liter 5,6 Liter
Länge, Breite, Höhe 1750, 640, 970 mm 1720, 690, 1100 mm 1900, 715, 970 mm
Radstand 1105 mm 1140 mm keine Angabe
Bodenfreiheit 125 mm 150 mm keine Angabe
Bremsen Trommeln 80 und 90 mm, Rücktritt hinten Vollnaben 80 und 90 mm Trommeln, vorne Handhebel, hinten Fusshebel
Zulässiges Gesamtgewicht 130 kg 130 kg zweisitzig zugelassen
Verbrauch und Steigfähigkeit 1,5 l/100 km, 18 Prozent 1,5 l/100 km, 18 Prozent keine Angabe

Typschild, Motornummer und Fahrgestellnummer

Die Motornummer ist am Motorgehäuse neben dem Zylinderflansch eingeschlagen, eine Anleitung nennt die rechte Seite des Gehäuses. Beim Typschild und bei der Fahrgestellnummer gibt es je nach Ausführung zwei Lagen, und genau das bringt Halter beim Suchen durcheinander. Die Betriebsanleitung des Grundmodells beschreibt die Fahrgestellnummer im Zentralrohr rechts in der Nähe des Steuerkopfes und das Typenschild an der Rückseite des Steuerkopfrohres. Die beiliegende Kennummern-Karte derselben Anleitung und die Anleitung des X 30 S nennen dagegen das Sitzrohr in der Nähe des Sattels für die Fahrgestellnummer und die Seite des Steuerkopfrohres für das Typschild. Eine dritte Anleitung sagt schlicht: Typschild am Steuerkopfrohr, Rahmennummer daneben eingeschlagen. Wer nichts findet, sucht also an drei Stellen: Steuerkopf hinten und seitlich, Zentralrohr rechts und Sitzrohr unter dem Sattel.

Für die Ersatzteilbestellung verlangte das Werk in Graz-Thondorf die Motornummer, beim X 50-4 zusätzlich Stückzahl, Ersatzteilnummer, Farbausführung und wo nötig Motor- oder Fahrgestellnummer. Die deutschen Kataloge führen Modellnummern: Das X 30 Turbo trägt die Modellnummer 62.50.25.3, das X 30 Chopper die Nummer 62.50.25.4. Die Farbe des Turbo hiess Rot P 3052 T mit der Farbausführung 45.

Tank eines Puch X 30 in Rot mit Puch-Schriftzug, Nahaufnahme
Tank eines X 30 von 1976 mit Puch-Schriftzug und Werksaufkleber für das Mischungsverhältnis. Foto: Markus Zinnecker, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0.

Welches X 30 oder X 50 habe ich?

Die Ausführungen lassen sich am Typschild, an der Getriebeart und an der Landesausführung unterscheiden. Diese Übersicht folgt den Werkskatalogen und Anleitungen in unserem Bestand:

  • X 30 Luxus und X 30 Automatik Luxus, die Modelle ab 1966.
  • X 30 Sport, Modell ab 1971 mit der Katalogkurzbezeichnung S und gefederter Vordergabel, dazu die Ausführungen LA, L und S-2 im selben Katalog.
  • X 30 N, NL, NS und Sport NS/NL mit Zweigang-Handschaltung, für Deutschland mit 25 km/h und Druckgussrädern, für die Schweiz mit 30 km/h und dort auch als Condor geführt.
  • X 30 N-2AH, NG-2AH und NG-Racing, Ausführungen für die Schweiz mit eigenem Ersatzteilkatalog.
  • X 30 A mit Eingang-Automatik und 25 km/h sowie das X 30 Automatik und das X 30 mit Zweigang-Automatik.
  • X 30 Turbo und X 30 Chopper, Deutschland 1984, Zweigang-Handschaltung, fahrtwindgekühlt, 25 km/h. Der Turbo mit Gussrädern und dem Schriftzug Turbo am Tank, der Chopper mit hohem, weit nach oben gezogenem Lenker und Speichenrädern, beide mit Sitzbank und Gepäckträger.
  • X 30 2 A, in der Anleitung als dem Maxi ähnlich beschrieben, sowie Exportausführungen für England und Spanien.
  • X 50, X 50-2 und X 50-3, Moped mit Zweigang- oder Dreigang-Handschaltung, für Deutschland im Katalog vom Mai 1979, dazu das Alpine X 50-3.
  • X 50-Post mit Vierganggetriebe und Gebläsekühlung sowie X 50-4 und X 50-4S mit Vierganggetriebe, Fussschaltung und Kickstarter, zuletzt als White Speed und Black Speed.

Welche Anleitung passt zu meinem X 30 oder X 50?

X 30 mit Zweigang-Handschaltung: Grundmodell, Sport, N, NL und NS

Betriebsanleitungen:

Ersatzteilkataloge:

Reparaturanleitungen:

X 30 mit Automatik

X 50 Mopeds mit Handschaltung

Werkstattdaten für die Puch-Mopeds

  • Werkstattdaten 1981, 19,90 EUR, mit den Einstellwerten der Puch-Mopeds des Modelljahres, unter anderem Maxi, Sport MK II, DS 50, Lido, Cobra und Monza.

Typische Fragen von X 30 und X 50 Haltern

Welches Mischungsverhältnis?

Das hängt vom Modell ab, und die Unterschiede sind gross. Die Betriebsanleitung des Grundmodells schreibt Gemischschmierung 1 zu 25 vor, das sind 4 Prozent Öl. Das X 30 S fährt laut seiner Anleitung Sommer wie Winter mit 1 zu 40 aus Markenbenzin und Markenmotoröl SAE 40 oder 50. Der abgebildete Tank von 1976 trägt einen Werksaufkleber mit 1 zu 50 bei Verwendung von Zweitakt-Motoröl. Massgebend ist die Anleitung zum eigenen Mofa.

Wie viel Öl kommt ins Getriebe?

Beim X 30 S sind es 200 ccm Motoröl, im Sommer SAE 40 bis 50, im Winter SAE 20 bis 30. Die Kupplung läuft im Ölbad, deshalb gehört das Getriebeöl zur regelmässigen Wartung.

Welche Zündkerze und welche Einstellwerte?

Das Grundmodell bekommt die Bosch W 225 T 1 bei einer Vorzündung von 1,5. Das X 30 S bekommt die Bosch W 95 T1 mit 0,4 bis 0,5 mm Elektrodenabstand, der Unterbrecherabhub beträgt ebenfalls 0,4 bis 0,5 mm, die Vorzündung 1 bis 1,4 mm vor dem oberen Totpunkt. Die Zündanlage des X 30 S ist ein Bosch RB1 mit 6 Volt und 17 Watt.

Wie schnell darf ein Puch X 30 fahren?

Die Betriebsanleitungen für Grundmodell und X 30 S nennen 30 km/h und eine Steigfähigkeit von 18 Prozent. Für Deutschland gab es Ausführungen mit 25 km/h, für die Schweiz mit 30 km/h. Wikipedia nennt je nach Verkaufsland 25, 30 oder 40 km/h. Massgebend für die Zulassung ist das Typschild.

Wo liegt der Unterschied zwischen X 30 und Maxi?

Der Motor ist verwandt, deshalb gibt es gemeinsame Betriebs- und Reparaturanleitungen für Maxi und X 30. Der Unterschied liegt im Fahrwerk: Das X 30 hat den Einrohrrahmen mit Hinterradschwinge, die gefederte Vordergabel, den schlanken Tank am Sitzrohr und grosse Speichenräder. Puch bewarb das X 30 als hochwertigere Schwester, sprach damit jüngere Kunden an, war aber in Deutschland und der Schweiz teurer als die Konkurrenz. Viele Kunden griffen darum zum Maxi.

Turbo oder Chopper?

Beide sind deutsche Ausführungen von 1984 mit Zweigang-Handschaltung, fahrtwindgekühltem Motor und 25 km/h. Der Turbo fährt auf Gussrädern und trägt den Schriftzug Turbo am Tank, der Chopper hat einen hohen, weit nach oben gezogenen Lenker und Speichenräder. Beide haben Sitzbank und Gepäckträger. Sie teilen sich einen Ersatzteilkatalog, in dem die Modellnummern und die Farbausführungen stehen.

Was unterscheidet das X 50 vom X 30?

Das X 50 ist ein Moped mit Kickstarter und Handschaltung mit zwei, drei oder vier Gängen. Das X 50-4 hat eine Fussschaltung, Trommelbremsen mit Handhebel vorne und Fusshebel hinten, Felgen 1,60 × 17 und wiegt 74 kg. Das X 30 dagegen ist ein Mofa mit Tretkurbeln, Rücktrittbremse hinten und Vollnaben mit 80 und 90 mm Bremstrommeln, das zwischen 39,5 und 42 kg wiegt.

Welche Kette und welche Übersetzung?

Beim X 30 S ist die Motorkette eine Einfach-Rollenkette 1/2 × 3/16 × 7,75, die Tretkurbelkette eine Einfach-Rollenkette 1/2 × 1/8. Das Getriebekettenrad hat 11 Zähne, das Hinterrad 34, die Gesamtübersetzung beträgt im ersten Gang 31,42 und im zweiten 16,15. Beim Grundmodell nennt die Anleitung Motor zu Getriebe 72 zu 18, ersten Gang 28 zu 10, zweiten Gang 23 zu 16 und Getriebe zu Hinterrad 34 zu 11.

Bücher zur Baureihe

Weiterführende Quellen