Garelli Bonanza, Mosquito, Eureka und Katia Mofas

Wer eine Garelli Bonanza, eine Monza oder ein Mofa mit Mosquito-Motor in der Garage hat, besitzt einen Zweirad-Oldtimer aus Sesto San Giovanni bei Mailand. Nach der deutschen Wikipedia gründete Adalberto Garelli die Firma 1919. In Deutschland bekannt wurde sie ab den 1960er Jahren über den Vertrieb mit Neckermann und Karstadt. Viele unserer Anleitungen tragen deshalb eine Neckermann-Artikelnummer auf dem Deckblatt. Diese Seite ordnet die Modelle, zeigt die Werksdaten aus den Betriebsanleitungen und nennt die Unterlagen, die zum eigenen Fahrzeug passen. Unter dem Namen Garelli laufen vier Gruppen.

  • Mofas und Mopeds mit dem Garelli-Motor mit liegendem Zylinder, darunter Eureka und Katia sowie Ausführungen von Europed, Duoped und Bonanza.
  • Mopeds und Kleinkrafträder mit stehendem Zylinder, darunter Monza und Rekord.
  • Der Mosquito, zuerst ein Hilfsmotor zum Anbau ans Fahrrad, später der Name eines Mofas.
  • Die Motorroller Capri 50 und Capri 100 mit Fahrgestell von Agrati und Motor von Garelli.

Unter den Modellen wird am häufigsten nach der Bonanza gesucht, vor allem nach den technischen Daten der Bonanza 25. Danach folgen Fragen nach den Garelli-Mofa-Modellen, nach Ersatzteilen für den Mosquito und nach Agrati-Garelli. Die Antworten stehen unten, jeweils mit dem Beleg aus der Werksunterlage oder mit dem ehrlichen Hinweis, dass die Unterlage einen Wert nicht nennt.

Garelli Bonanza 25 Mini-Bike von 1977, orange und weiss, schräg von vorn links auf einer Wiese, Scheinwerfer, Gabel und Motor sichtbar

Welcher Garelli-Motor steckt in meinem Moped

Bei Garelli entscheidet der Motor, welche Unterlage passt. Die Werksunterlagen unterscheiden zwei Bauformen, den Motor mit Horizontalzylinder und den Motor mit vertikalem Zylinder. Auf dieser Seite heissen sie liegender und stehender Zylinder. Die Reparaturanleitung für den liegenden Zylinder trägt auf dem Titelblatt die Namen Eureka und Katia. Dort sind das die Namen der Motorbaureihe. Die Modellliste darin nennt Europed 25, Europed 25 L, Europed 25 SL, Europed 40 SL, Bonanza 25 L und Duoped 40 SL. Der Motor ist ein fahrtwindgekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor mit 49 ccm, 40 mm Bohrung und 39 mm Hub.

Eine zweite Reparaturanleitung behandelt beide Bauformen. Für den liegenden Zylinder nennt sie vier Ausführungen, den Eingang mit Tretkurbel oder mit Kickstarter und die Automatik mit Tretkurbel oder mit Kickstarter. Der Teil für den stehenden Zylinder ist mit Ausgabe 1978 überschrieben. Er führt fünf Getriebe, vom Eingang über die Zweigang-Automatik und die Dreigang-Handschaltung bis zur Viergang- und Fünfgang-Fussschaltung. Die Bohrung beträgt bei allen 40 mm. Der Fünfgang-Motor hat 49,6 ccm und 39,5 mm Hub, die anderen haben 49 ccm und 39 mm Hub.

Horizontalmotor oder Vertikalmotor erkennen

Am einfachsten hilft das Getriebe. Beide Reparaturanleitungen führen den Motor mit liegendem Zylinder nur als Eingang oder als Zweigang-Automatik, jeweils mit automatischer Kupplung im Ölbad. Hat Ihr Garelli eine Handschaltung mit drei, vier oder fünf Gängen, kommt nach diesen beiden Unterlagen nur der Motor mit stehendem Zylinder in Frage. Für die geschalteten Getriebe nennt die Reparaturanleitung eine Mehrscheibenkupplung im Ölbad, für die Automatik eine Fliehkraftkupplung.

Auch der Blick auf den Zylinder klärt die Frage. Beim liegenden Zylinder liegt der Zylinder waagrecht, beim stehenden steht er aufrecht. Die Betriebsanleitung für Monza und Rekord zeigt im linken Motorbild einen stehenden Zylinder mit waagrecht geschichteten Kühlrippen. Wer den Motor offen hat, erkennt die Bauform auch an der Primärübersetzung, 16 zu 71 beim liegenden und 18 zu 67 beim stehenden Zylinder.

Fremde Quellen bestätigen das Bild. Das englischsprachige Moped-Wiki Moped Army ordnet die Noi dem liegenden Zylinder zu, VIP und Monza dem stehenden. Die italienische Wikipedia beschreibt die Katia mit liegendem Zylinder, übernommen von der Eureka, und die Gulp mit stehendem Zylinder. Für Eureka und Katia sowie für die Ausführungen der Modellliste, also Europed 25, 25 L, 25 SL und 40 SL, Bonanza 25 L und Duoped 40 SL, ist deshalb die Reparaturanleitung für den Motor mit liegendem Zylinder die erste Wahl. Wer einen geschalteten Motor mit stehendem Zylinder hat, findet Dreigang, Viergang und Fünfgang in der Reparaturanleitung für beide Bauformen.

Werksdaten Bonanza 25, Motor Eureka Katia und Mosquito 38-B

Werksdaten Bonanza 25 Motor Eureka Katia Mosquito 38-B
Motor Garelli Einzylinder 2-Takt Garelli-Einzylinder-Zweitaktmotor, fahrtwindgekühlt, liegender Zylinder Zweitaktmotor Type 311
Hubraum 49 ccm 49 ccm 49 ccm
Bohrung × Hub 40 × 39 mm 40 × 39 mm 40 × 39 mm
Leistung 1,2 PS bei 3000 U/min 1,5 PS bei 4500 U/min, Europed 40 SL 2,2 PS bei 5500 U/min nennt die Anleitung nicht
Gänge 1-Gang Automatic mit Fliehkraftkupplung Eingang oder Zweigang-Automatik nennt die Anleitung nicht, Kraftübertragung durch Rolle ohne Untersetzung
Zündung Schwungmagnetzündung, elektrische Anlage 6 V 18 W Schwungrad-Lichtmagnetzündung 6 V 18 W Schwungradmagnet, Lichtspule 5 W 6 V
Vergaser Dell'Orto SHA 14/12, Düse 45 Dell'Orto SHA 14/12, Hauptdüse 50 automatisch mit Einhebelbedienung und Starterpumpe, Düsen No. 48 bis 52
Tankinhalt 4,5 l nennt die Motoranleitung nicht ca. 2,5 l
Reifen 3,00-10 Zoll vorn und hinten nennt die Motoranleitung nicht nennt die Anleitung nicht, Hilfsmotor am Fahrrad
Gewicht nennt die Anleitung nicht nennt die Motoranleitung nicht nennt die Anleitung nicht
Tempo nennt die Anleitung nicht nennt die Motoranleitung nicht 35 km/h als Fahrgeschwindigkeit bei 3.800 U/min
Quelle Betriebsanleitung Bonanza 25 Reparaturanleitung Motor mit liegendem Zylinder Betriebsanleitung Mosquito 38-B

Die Motoranleitung für den liegenden Zylinder beschreibt nur den Motor. Tank, Reifen, Gewicht und Tempo stehen dort nicht. Sie nennt aber die Mischung, 33 : 1 in der Einfahrzeit und 50 : 1 danach, die Verdichtung 1 : 7,5 und den Zündzeitpunkt 18° vor dem oberen Totpunkt, das entspricht 1,3 mm. Beim Mosquito fehlen Leistung und Gewicht in den technischen Daten. Die Anleitung nennt stattdessen die Drehzahl von 3.800 U/min mit der entsprechenden Fahrgeschwindigkeit von 35 km/h.

Garelli Bonanza 25, das Mini-Bike

Welche technischen Daten hat die Garelli Bonanza 25

Die Betriebsanleitung trägt auf dem Deckblatt den Namen Mini-Bike Bonanza 25 und die Neckermann-Artikelnummer 692/506. Sie nennt einen Einzylinder-Zweitaktmotor mit 49 ccm und 1,2 PS bei 3000 U/min, eine 1-Gang Automatic mit Fliehkraftkupplung, einen Dell'Orto-Vergaser SHA 14/12 und einen Tank mit 4,5 Litern. Die Reifen haben vorn und hinten das Mass 3,00-10 Zoll. Gebremst wird vorn und hinten mit Trommelbremsen, beide von Hand betätigt. Vorn federt eine Teleskopgabel, hinten eine Schwinge mit Federbeinen. Zugelassen ist die Bonanza 25 für eine Person.

Für die Wartung nennt die Anleitung Gemisch 1:25, rund 400 ccm Getriebeöl SAE 30, die Zündkerze W 175 und eine Einfahrzeit von 500 km. Die Verdichtung beträgt 1 : 7. Gewicht und Höchstgeschwindigkeit stehen nicht in der Anleitung. Die deutsche Wikipedia nennt für die Bonanza als Mokick 59 kg Leergewicht, 2,9 PS bei 5500/min, 40 km/h und eine Bauzeit von 1973 bis 1974. Diese Werte stammen aus der Fremdquelle und beschreiben die Mokick-Ausführung, nicht die Bonanza 25 aus unserer Betriebsanleitung.

Die Ersatzteilliste der Bonanza zeigt, dass es die Bonanza in zwei Geschwindigkeitsklassen gab. Sie führt ein Typenschild für 25 km/h sowie einen Rahmen und ein Typenschild für 40 km/h. Auch die Zündanlage wechselt nach Motornummer. Wörtlich heisst es in der Ersatzteilliste: «Ab Motor-Nr. B 060687 bei Art. 692/816, Mini-Bike 25 / A 016011 bei Art. 692/867, Mini-Bike 40 / B 056382 bei Art. 692/859, Europed SL / A 016471 bei Art. 692/948, Duoped werden Bosch-Zündanlagen eingebaut.»

Die Reparaturanleitung für den Motor mit liegendem Zylinder führt eine Bonanza 25 L mit der Artikelnummer 692-670. Welche Ausführung Sie haben, klären Artikelnummer, Fahrgestellnummer und Motornummer. Diese drei Angaben verlangte Neckermann laut Betriebsanleitung auch bei jeder Ersatzteilbestellung, zusammen mit Bezeichnung, Nummer und Stückzahl des Teils.

Der Mosquito, Hilfsmotor fürs Fahrrad

Der Mosquito war zuerst kein Moped, sondern ein Hilfsmotor zum Anbau an ein Fahrrad. Nach der deutschen Wikipedia kam er in den ersten Monaten des Jahres 1946 unter dem Handelsnamen Mosquito in den Verkauf. Er liess sich unter dem Tretlager fast jedes Fahrrads montieren und übertrug die Kraft mit einer Reibrolle auf das Hinterrad. Die Idee stammt laut derselben Quelle vom Mailänder Ingenieur Carlo Alberto Gilardi. 1947 folgte der Mosquito 38B mit 49 ccm Hubraum.

Garelli Super Mosquito von 1969, goldfarben, schräg von vorn links auf einem Pflasterplatz, Scheinwerfer am Lenker und liegender Motor unter dem Tretlager sichtbar

Unsere Betriebsanleitung für den Mosquito 38-B nennt als Hersteller Garelli in Mailand mit den Werken Sesto S. Giovanni und Florenz. Der Motor ist ein Zweitaktmotor der Type 311 mit 49 ccm, 40 mm Bohrung und 39 mm Hub. Er läuft mit Mischung. Der Vergaser arbeitet automatisch mit Einhebelbedienung und hat eine Starterpumpe. Die Kraft überträgt eine Rolle ohne Untersetzung, die ständig im Eingriff ist, dazu gehört eine Feder mit Handnachstellung. Die Rolle lässt sich laut Anleitung unmittelbar ausbauen. Aufgehängt ist der Motor elastisch mit Pendelaufhängung, die Puffer passen für Rahmenrohre bis zu 20 mm Durchmesser. Die Zündung liefert ein Schwungradmagnet mit Lichtspule 5 W 6 V, der Tank fasst ca. 2,5 l. Beim Einfahren soll die Geschwindigkeit nie 25 km/h überschreiten.

Später trug auch ein Mofa den Namen. Die Neckermann-Ersatzteilliste führt ein Mosquito Kompakt-Mofa mit der Nummer 693/006 und ein Falt-Mofa mit der Nummer 693/049. Nach der italienischen Wikipedia entstand in den sechziger Jahren das Modell M, benannt nach dem Mosquito, aus dem 1969 die Gulp wurde. Das Foto zeigt einen Super Mosquito von 1969 aus dieser späteren Zeit.

Ersatzteile für den Garelli Mosquito

Für den Mosquito liegen drei Ersatzteilkataloge im Archiv. Zwei sind italienische Werkskataloge mit Preislisten. Der Katalog für den 38-B nennt die Preisliste Nr. 35, gültig ab 1. Juni 1953. Der zweite Mosquito-Katalog nennt die Preisliste Nr. 34, gültig ab 1. Juni 1951. Der dritte ist die Neckermann-Ersatzteilliste für das Kompakt-Mofa und das Falt-Mofa. Wer einen Hilfsmotor am Fahrrad hat, greift zu den Werkskatalogen. Wer ein Mosquito-Mofa aus dem Neckermann-Katalog fährt, braucht die Neckermann-Ersatzteilliste.

Garelli Monza und Rekord

Nach der deutschen Wikipedia gehörten Monza und Rekord zusammen mit der Bonanza zu den bekanntesten Garelli-Zweirädern in Deutschland, die Kleinkrafträder Monza und Rekord waren besonders bei Jugendlichen beliebt. Die Monza ging laut derselben Quelle aus dem Mokick Junior hervor, das es Ende der sechziger Jahre mit Dreiganggetriebe gab. Monza und Rekord teilen sich eine Betriebsanleitung. Auf dem Deckblatt stehen die Neckermann-Nummern 693/146 für die Monza und 693/154 für die Rekord.

Werksdaten Monza Rekord
Motor Typ 354 nZBKW, Einzylinder, zweitakt, luftgekühlt, stehender Zylinder
Hubraum 49 ccm
Bohrung × Hub 40 × 39 mm
Leistung 6,1 PS bei 8400 U/min
Gänge fussgeschaltetes Vierganggetriebe
Zündung Schwungmagnetzünder mit Lichtspule 6 V 30 W
Vergaser UB 20-S, Hauptdüse Grösse 97
Tankinhalt 10 l 10,5 l
Reifen vorn und hinten 2,00x19 vorn 2,25x19, hinten 2,50x19
Hinterrad 13:33 13:38
Gewicht 59 kg leer 63 kg leer
Tempo 90 km/h
Quelle Betriebsanleitung Monza und Rekord

Die Verdichtung beträgt 1 : 12, gefahren wird mit Gemisch 1 : 20. Den Normverbrauch gibt die Anleitung mit 2 Litern auf 100 km an. Gestartet wird mit dem Kickstarter. Für die ersten 1500 km nennt die Anleitung Höchstgeschwindigkeiten je Gang, 17 km/h im ersten, 29 km/h im zweiten, 40 km/h im dritten und 50 km/h im vierten Gang. Das sind Einfahrgrenzen, nicht die Höchstgeschwindigkeit. Für die Teile gibt es eine eigene Ersatzteilliste für Monza und Rekord. Nach ihr sind beide Kleinkrafträder in ihren wesentlichen Teilen identisch. Wo Teile der Rekord abweichen, ist die Bildtafel mit dem Zusatz A gekennzeichnet. Eigene Bildtafeln je Typ gibt es unter anderem für Fahrgestell, Teleskopgabel, Lenker und Beleuchtung.

Capri-Roller 50 und 100

Der Capri ist ein Motorroller von Agrati mit Motor von Garelli. Die Betriebsanleitung nennt als Hersteller des Fahrgestells die AGRATI S. p. A. in Monticello Brianza und als Hersteller des Motors die Meccanica Garelli in Sesto S. Giovanni. Sie beschreibt drei Ausführungen, den Capri 50 der Klasse 5, den Capri 50 der Klasse 4 und den Capri 100 der Klasse 1. Beim Junior-Mokick steht die Klasse 5 ausdrücklich für den Führerschein, mit dem das Fahrzeug bis 40 km/h gefahren werden darf.

Werksdaten Capri 50 Klasse 5 Capri 50 Klasse 4 Capri 100
Hubraum 49 ccm 49 ccm 94,25 ccm
Bohrung × Hub 40 × 39 mm 40 × 39 mm 50 × 48 mm
Leistung 2 PS bei 5000 U/min 4,3 PS bei 6500 U/min 5,2 PS bei 6500 U/min
Gänge drei vier vier
Zündung C.E.V. 6 V/20 W C.E.V. 6 V/20 W C.E.V. 6 V/30 W
Vergaser Dell'Orto T4-13-S1, Hauptdüse 68 Dell'Orto ME 16 BS, Hauptdüse 78 Dell'Orto ME 18 BS, Hauptdüse 75
Tankinhalt 6,5 l, davon 0,75 l Reserve
Reifen 3.00-12 Zoll auf Felge 1.75-12 Zoll
Gewicht 76 kg leer 76 kg leer 80 kg leer
Tempo 40 km/h 70 km/h 75 km/h
Quelle Betriebsanleitung Capri 50 und 100

Die Verdichtung gibt die Anleitung mit 7, 10,25 und 8,5 an. Gemisch 1:25 gilt für den Capri 50 der Klasse 5 und den Capri 100, Gemisch 1:20 für den Capri 50 der Klasse 4. Zum Hinterrad läuft eine verstärkte Rollenkette 1/2 x 3/16. Die Zähnezahlen von Getriebe und Hinterrad betragen in der Reihenfolge der Tabelle 11:33, 13:28 bis 30 und 15:26.

Agrati und Garelli, wie hängt das zusammen

Agrati war ein eigener Hersteller aus Monticello Brianza. Nach der deutschen Wikipedia gab es um 1955 die ersten Kontakte zu Agrati, einem Hersteller von Elektromotoren und Fahrradzubehörteilen. Um 1960 kam es zum Zusammenschluss. Danach entstanden die Zweiräder unter dem Namen Agrati-Garelli, wobei der Name Agrati immer im Hintergrund blieb. Die italienische Wikipedia datiert die Übernahme von Garelli durch Agrati auf 1961. Agrati baute demnach schon Rahmen, montierte Mopeds für Garelli und stellte seit 1959 eigene Motorroller Capri her, teils mit Motoren von Garelli.

Die eigenen Unterlagen passen dazu. Die Capri-Anleitung trennt die Herstellerangaben für Fahrgestell und Motor, und das Titelblatt der Reparaturanleitung für den liegenden Zylinder trägt die Firmenzeile agrati-GARELLI mit Sitz in Monticello Brianza. 1984 übernahm Garelli laut deutscher Wikipedia die Firma Kreidler in Kornwestheim, dort wurden bis 1986 Garelli-Mofas mit Kreidler-Logo montiert. Ende der achtziger Jahre ging Garelli nach der italienischen Wikipedia mit Fantic Motor in der Gruppo FM auf, 1993 wurde die Firma geschlossen.

Fahrgestellnummer, Motornummer und Typenschild

Für jede Ersatzteilbestellung zählen Fahrgestellnummer und Motornummer. Die Betriebsanleitung für Monza und Rekord begründet das wörtlich: «Nennen Sie bei Ihrer Ersatzteil-Bestellung jeweils Fahrgestell- und Motor-Nummer. Diese Angaben sind erforderlich, da möglicherweise Änderungen erfolgt sind, die durch Fahrgestell- oder Motor-Nummer in ihrer Zeitfolge fixiert werden.» Wo die Nummern sitzen, beschreiben die Anleitungen je Modell verschieden.

  • Monza und Rekord: «Die Fahrgestell- … und Motornummer … sind an den abgebildeten Stellen in Rahmen … und Motor eingeschlagen. Diese Nummern müssen mit den Nummern in den Zulassungspapieren übereinstimmen.» Die Fahrgestellnummer sitzt laut Anleitung am Lenkerrohr rechts.
  • Capri 50 und 100: «Das Typenschild mit den technischen Daten befindet sich auf dem rechten Trittbrett unter der Fussmatte.» Die Fahrgestellnummer ist laut Anleitung auf dem rechten unteren Rahmenrohr eingeschlagen. Das Foto in der Anleitung zeigt als Beispiel die Nummer TC 01259. An einer zweiten Stelle nennt die Anleitung das Typschild am Schutzschild vorn rechts unten und die Fahrgestellnummer auf dem unteren Rahmenrohr hinter der rechten Verkleidungsschale.
  • Capri Junior-Cross und Mini-Cross: «Die Fahrgestellnummer ist auf dem rechten Lenkerrohr eingeschlagen.» Und weiter: «Die Motornummer finden Sie am rechten vorderen Motorgehäuse unter dem Zylinder.»
  • Mosquito 38-B: Die Abbildung in der Betriebsanleitung zeigt die Motornummer am Motorgehäuse neben dem runden Seitendeckel.
  • Duoped: Zum Typenschild heisst es in der Anleitung: «Auf diesem Schild ist die Fahrgestellnummer festzustellen.»
  • Europed 25 NLX und RSC Electronic: Die Legenden der Betriebsanleitungen führen das Typenschild mit der Fahrgestellnummer. Beim Junior-Mokick und beim Sport-Mofa ist das Typenschild in der Legende ohne diesen Zusatz eingezeichnet.
  • Bonanza: Die Betriebsanleitung verlangt Fahrgestell- und Motornummer bei jeder Ersatzteilbestellung. Die Ersatzteilliste führt ein eigenes Typenschild für 25 km/h und für 40 km/h.

Für die zeitliche Einordnung helfen die Ausgaben der Unterlagen. Der Teil für den stehenden Zylinder in der Reparaturanleitung trägt die Ausgabe 1978, die Mosquito-Kataloge nennen Preislisten von 1951 und 1953. Die Ersatzteilliste der Bonanza trennt die Zündanlagen nach Motornummer, wie oben im Wortlaut zitiert. Wer seine Nummern kennt, findet so die passende Ausführung.

Mofa mit 25 km/h oder Moped mit 40 km/h

Viele Garelli-Modelle gab es in zwei Geschwindigkeitsklassen. Die deutschen Unterlagen sagen Mofa zur Ausführung mit 25 km/h und Moped oder Mokick zur Ausführung mit 40 km/h. Belegt ist die Trennung in diesen Unterlagen.

  • Europed 25 NLX: «Das Mofa GARELLI „Europed 25 NLX" ist ein motorisiertes Zweirad mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Es ist führerscheinfrei und darf von Personen ab 15 Jahren benutzt werden.»
  • Europed-Brianza: Die Anleitung gilt für Standard-Mofa-25, Mofa-25 und Moped-40. Als Motorleistung nennt sie 1,8 PS bei 5000 U/min, für das Mofa 0,88 PS bei 2500 U/min. Der Vergaser ENCARWI/A 22 hat die Fahrdüse 50 bei 25 km/h und die Fahrdüse 52 bei 40 km/h.
  • Junior-Mokick: «Es entwickelt 1,9 PS, und darf mit einem Führerschein der Klasse 5, bis zu einer Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h gefahren werden.»
  • Bonanza: Die Ersatzteilliste führt das Mini-Bike 25 und das Mini-Bike 40 mit eigenen Artikelnummern, dazu ein Typenschild für 25 km/h sowie Rahmen und Typenschild für 40 km/h.
  • Motor mit liegendem Zylinder: Die Reparaturanleitung nennt 1,5 PS bei 4500 U/min und für den Europed 40 SL 2,2 PS bei 5500 U/min.
  • Capri 50: 40 km/h in der Ausführung für Klasse 5 und 70 km/h in der Ausführung für Klasse 4.

Welche Klasse hat mein Garelli

Die Unterlagen unterscheiden die Klassen über Vergaserdüse, Leistung, Rahmen und Typenschild. Die Ersatzteilliste der Bonanza führt eigene Typenschilder für 25 km/h und für 40 km/h, der erste Blick gilt deshalb dem Typenschild. Die Anleitung des Europed 25 NLX weist ausserdem darauf hin, dass Erstbesitzer, die nach dem 1. 4. 1980 15 Jahre alt werden, eine Prüfbescheinigung brauchen und beim Fahren mitführen müssen. Dazu kommen eine Haftpflichtversicherung und das Versicherungskennzeichen am Fahrzeug.

Garelli-Modelle im Überblick

Welche Garelli-Mofa-Modelle gibt es

Die folgende Übersicht folgt den Unterlagen in unserem Archiv. Sie zeigt, welche Garelli-Typen mit eigener Betriebsanleitung, Reparaturanleitung oder Ersatzteilliste belegt sind.

  • Mini-Bike: Bonanza 25 mit Betriebsanleitung, dazu die Ersatzteilliste für das Mini-Bike Bonanza 25 und 40.
  • Als Mofa bezeichnet in den Unterlagen: Europed 25 NLX, Europed-Brianza als Mofa-25 und Standard-Mofa-25, Sport-Mofa 25 S und 25 S/2 sowie das Mosquito Kompakt-Mofa und Falt-Mofa.
  • Ausführungen mit 40 km/h laut Unterlage: Europed-Brianza als Moped-40, das Junior-Mokick und das Mini-Bike Bonanza 40. Den Duoped bezeichnet seine Anleitung als Moped-Zweisitzer.
  • Kleinkrafträder: Monza und Rekord mit 90 km/h laut Betriebsanleitung.
  • Weitere Typen mit eigener Unterlage: RSC Electronic, Euro-Automatic, VIP 2 und VIP 3, Supervip 2V und 3V, Sahel 50, Rekord-Super, Sport-Super und Cross KL50.
  • Roller: Capri Mopedroller in den Ausführungen Standard, Tourist, De Luxe, Prima und Superlux, Capri 50 und 100 sowie die Capri Super 125 in englischer und italienischer Ausgabe.
  • Cross-Modelle: Capri Junior-Cross, Mini-Cross, Junior Cross Tiger und Mini-Cross Stadtflitzer. Die Anleitung für Junior-Cross und Mini-Cross nennt sie Supersportmoped.
  • Hilfsmotor: Mosquito 38-B.
  • Motoren: Reparaturanleitungen für den Motor mit liegendem Zylinder, für beide Bauformen und für die Garelli-Motoren ERKY 50, RZKY 50 und CRKY 100.

Garelli Katia Bimatic 50, schwarz, schräg von vorn rechts auf einem Kiesweg, Scheinwerfer, Gabel und liegender Motor sichtbar

Eureka und Katia sind in unseren Unterlagen vor allem der Name des Motors mit liegendem Zylinder. Als Fahrzeuge beschreibt sie Wikipedia. Nach der deutschen Wikipedia kamen 1972 die Eureka und die Eureka Flex auf den Markt, jeweils als Mofa und als Mokick, 1977 wurden sie modernisiert. Die Eureka war der Vorläufer der Noi, die Ende 1979 in den Handel kam. Die Katia beschreibt die italienische Wikipedia als Moped, das Garelli von 1973 bis 1991 baute. Ihr Motor mit liegendem Zylinder stammt von der Eureka. Zuerst gab es sie als Katia M mit einem Gang und Pedalstart, später als Katia Matic mit Zweigang-Automatik und Kickstarter sowie mit Elektrostart. Die Räder haben 10 Zoll.

Die Gulp entstand nach der italienischen Wikipedia 1969 aus dem Modell M, dessen Name für Mosquito stand. Es gab sie als Flex mit einem Gang, als Matic mit Zweigang-Automatik und als 3V mit drei Handschaltgängen am Lenker. Der Motor hatte nach derselben Quelle einen stehenden Zylinder. Eine Unterlage mit dem Namen Gulp führen wir nicht. Die Reparaturanleitung für beide Bauformen behandelt stehende Zylinder mit Eingang, Zweigang-Automatik und Dreigang-Handschaltung. Ob sie für eine bestimmte Gulp gilt, steht so nicht in den Unterlagen.

Welche Anleitung passt zu meinem Garelli

Motor mit liegendem oder stehendem Zylinder

Bonanza

Mosquito

Monza, Rekord, Capri und Europed

Weitere Titel finden Sie über die Suche. Dazu gehören Betriebsanleitungen für Duoped, Junior-Mokick, Europed-Brianza, Sport-Mofa, RSC Electronic, VIP und Supervip, Ersatzteilkataloge für Euro-Automatic, Rekord-Super, Sport-Super und Cross sowie die Unterlagen zum Capri Junior-Cross.

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Weiterführende Quellen

Alle Werksdaten dieser Seite stammen aus den Betriebsanleitungen, Reparaturanleitungen und Ersatzteilkatalogen in unserem eigenen Archiv. Werte aus Wikipedia sind im Text als solche genannt. Wenn Sie nicht sicher sind, welche Unterlage zu Ihrem Garelli passt, schicken Sie uns Typ, Fahrgestellnummer und Motornummer, am besten mit einem Foto des Typenschilds.