Indian Prince, Scout, Chief, Big Chief und Four Motorräder

Wer eine Indian aus Springfield fährt, ob Prince, Scout, Chief, Big Chief oder Four, hat ein amerikanisches Motorrad aus einer Fabrik, die es seit 1953 nicht mehr gibt. Werkstatt, Händler und Werksteile von damals sind verschwunden. Geblieben sind die Anleitungen und Teilelisten, die das Werk selbst herausgegeben hat, und genau diese Unterlagen braucht man heute für Wartung, Teilesuche und Bestimmung des eigenen Motorrads. Diese Seite ordnet die Werksunterlagen nach Modell und Baujahr und zeigt Werte, die direkt aus den Originalen stammen.

Die Fabrik in Springfield, Massachusetts, wurde 1901 gegründet und war zeitweise der grösste Motorradhersteller der Welt. Die erste Scout erschien 1920, die grössere Chief folgte 1923 und wurde bis 1953 gebaut. Mehr zur Firmengeschichte steht im Wikipedia-Artikel zur Marke Indian.

Rotes Indian Big Chief Gespann von 1928 mit Seitenwagen und Windschutzscheibe, schräg von vorn links, vor Hecke und Garage

Welche Unterlagen passen zu welcher Indian

Die Werksunterlagen von Indian sind nach Modellfamilien und Baujahren aufgeteilt. Wer zuerst weiss, welche Serie oder Typnummer im eigenen Motorrad steckt, findet schnell das passende Buch. Die deutsche Betriebsanleitung für Prince, Scout, Chief und Indian 4 erklärt im zweiten Teil die Prince, danach Scout und Chief und im dritten Teil die Indian 4. Die Ölschemata am Ende derselben Anleitung nennen die Serien, nämlich Indian 4 Serie 401, Prince Serie 201 und Scout Serie 101. Die zweite deutsche Anleitung behandelt Scout, Chief und Big Chief und gilt laut Vorwort für alle Scout und Chief Modelle, unabhängig vom Herstellungsjahr.

Ein Detail hilft beim Bestimmen älterer Scout, denn die Jahrgänge 1925 und 1926 haben laut Anleitung ablösbare Zylinderköpfe. Für den grossen Zweizylinder gibt es einen eigenen Abschnitt zum Demontieren des vorderen Zylinders beim Indian Big Chief 74.

Motornummer und Motoren laut Werk

Die erste Frage vieler Halter lautet, wo die Nummer sitzt und welcher Motor verbaut ist. Die Betriebsanleitung für Prince bis Four beantwortet beides auf einer Seite. Motor- und Seriennummer sind bei Indian dieselbe, bei Ein- und Zweizylindern ist sie links am Kurbelkasten unter dem vorderen Zylinder eingeschlagen. An der Indian 4 sitzt die Motornummer am Getriebegehäuse nahe dem Bolzen des Schalthebels. Die Tabelle gibt die Motorangaben aus derselben Werksseite wieder, mit den Modellkürzeln, wie sie dort gedruckt sind.

Modell Serie Zyl. Bohrung Hub Hubraum
L & LE 201 1 69,85 mm 90,88 mm 348,26 ccm
G & GE 101 2 69,85 mm 77,79 mm 596,159 ccm
GP & GEP 101 2 73,025 mm 88,9 mm 744,625 ccm
HE 301 2 79,375 mm 100,8 mm 997,64 ccm
HEP 301 2 82,55 mm 112,71 mm 1206,493 ccm
VE 401 4 69,55 mm 82,55 mm 1265,47 ccm

Die Serie 201 ist der Einzylinder Prince mit 348,26 ccm, die Serie 101 die Scout mit 596,159 oder 744,625 ccm und die Serie 401 der Vierzylinder mit 1265,47 ccm. Die Serie 301 mit den Kürzeln HE und HEP steht mit 997,64 und 1206,493 ccm in derselben Tabelle, die Anleitung ordnet sie dort keinem Modellnamen zu. In der Bedienungsanleitung für Scout, Chief und Big Chief heissen die grossen Zweizylinder Chief 61 und Big Chief 74. Die Werkstabelle nennt zusätzlich ein Übersetzungsverhältnis, ohne zu sagen, auf welchen Gang es sich bezieht. Diese Spalte lassen wir deshalb weg.

Für die Scout nennt der englische Teilekatalog Serie 101 die Modelle G mit 37 cubic inch und GP mit 45 cubic inch, cubic inch heisst Kubikzoll. Fast alle Teile der G sind laut Katalog mit der GP austauschbar.

Rote Indian Scout im Zweiradmuseum Neckarsulm, schräg von vorn links auf einem Riffelblech

Typnummern 1936 bis 1948

Ab Mitte der dreissiger Jahre arbeitet Indian mit dreistelligen Modellnummern. Die letzte Ziffer steht für das Baujahr, die Teilekataloge sind danach geordnet. Der Katalog für 1936 und 1937 deckt die Modelle 236 bis 637 ab, dazu Dispatch Tow, Traffic Car und Seitenwagen.

Modell Typ Jahre Katalog
Scout 236, 237 1936, 1937 1936 und 1937
Sport Scout 636, 637 1936, 1937 1936 und 1937
Junior Scout 536, 537 1936, 1937 1936 und 1937
Chief 336, 337 1936, 1937 1936 und 1937
Indian 4 436, 437 1936, 1937 1936 und 1937
Seventy-Four 344 bis 348 1944 bis 1948 1944 bis 1948

Für die Nachkriegsjahre nennt der Katalog 1944 bis 1948 die Modelle 344 bis 348 als Indian Seventy-Four. Modell und Baujahr des Motors stehen dort als Buchstabenfolge auf dem linken Kurbelgehäuse, zum Beispiel CDE bis CDH, und eine passende Seriennummer gibt es zusätzlich. Der Katalog 1944 bis 1953 enthält am Ende einen eigenen Nachtrag für die Chief der Jahre 1950 bis 1953.

Öl, Benzin und Wartung

Bei Motoren dieses Alters entscheidet die Schmierung über die Lebensdauer. Beide deutschen Anleitungen nennen die Füllmengen, sie weichen für Scout und Chief leicht voneinander ab, weil sie aus verschiedenen Jahren stammen.

Modell Behälter Menge Anleitung
Prince Öltank 2½ Liter Prince bis Four
Scout, Chief Benzintank 12 Liter Prince bis Four
Scout, Chief Öltank 3 Liter Prince bis Four
Scout, Chief Benzintank 11,8 Liter Scout bis Big Chief
Scout, Chief Öltank 2,84 Liter Scout bis Big Chief
Indian 4 Kurbelgehäuse mindestens 4 Liter Prince bis Four

Bei der Prince sitzt der Ölbehälter im Benzintank und wird durch die hintere Öffnung gefüllt. Für die Indian 4 verlangt das Werk Indian Öl Medium, also mittlere Viskosität, und nach je 250 km Fahrt wird bis zur Marke am Ölstandmesser nachgefüllt. Der Öldruck der Indian 4 soll bei höheren Geschwindigkeiten 35 bis 50 Pfund betragen.

Bei Scout und Chief soll das alte Öl alle 800 km über den unteren Pfropfen aus dem Kurbelgehäuse abgelassen werden. Den Ölstand im Primärantrieb, also im Kettenkasten zwischen Motor und Getriebe, prüft man mindestens einmal pro Woche oder alle 800 km. Das Ventilspiel bei kaltem Motor beträgt laut Werk drei Tausendstel Zoll am Einlass und sechs Tausendstel Zoll am Auslass.

Reifendruck solo und mit Seitenwagen

Die Betriebsanleitung für Prince bis Four nennt den Luftdruck in Pfund, gemeint ist Pfund pro Quadratzoll. Die Werte gelten je nach Betrieb solo, mit Seitenwagen oder mit Lieferkasten.

Modell Betrieb Vorn Hinten Beiwagen
Scout, 4 solo 15 Pfund 18 Pfund ohne
Scout, 4 Gespann 20 Pfund 25 Pfund 20 Pfund
Scout, 4 Lieferkasten 22 Pfund 27 Pfund 22 Pfund
Chief solo 15 Pfund 20 Pfund ohne
Chief Gespann 20 Pfund 25 Pfund 20 Pfund

Die ersten drei Zeilen stehen in der Anleitung unter den Ballonreifen 25 x 3,85 für Scout und Indian 4, die Chief Werte gelten für die 27 x 3,85 Ballonreifen. Die Bedienungsanleitung für Scout, Chief und Big Chief nennt für die Scout solo vorn 15 lbs. und hinten 18 lbs., umgerechnet 1,05 kg und 1,27 kg. Für die Chief führt diese ältere Anleitung Ballonreifen 25 x 3,85 auf, also eine andere Grösse als die spätere Anleitung. Welche Grösse am eigenen Motorrad montiert ist, zeigt ein Blick auf die Reifenflanke.

Fragen, die Indian-Halter oft stellen

Die folgenden Fragen ergeben sich deshalb aus den Titeln unserer Indian-Unterlagen und aus den Inhaltsverzeichnissen der Werksanleitungen.

Welche Anleitung passt zu meiner Indian? Für Prince, Scout, Chief und Indian 4 der zwanziger Jahre passt die Betriebsanleitung Prince bis Four, für Scout, Chief und Big Chief zusätzlich die Bedienungsanleitung. Die Schmieranleitung deckt Prince, Scout, Chief, Big Chief und Standard ab.

Welcher Ersatzteilkatalog gehört zu welchem Baujahr? Die Scout Serie 101 und die Four Serie 401 haben eigene Teilelisten. Für 1936 und 1937 gibt es einen gemeinsamen Katalog, für 1936 bis 1942 einen Katalog über alle Modelle und für die Nachkriegszeit die Kataloge 1944 bis 1948 und 1944 bis 1953.

Wo finde ich die Motornummer? Bei Ein- und Zweizylindern links am Kurbelkasten unter dem vorderen Zylinder, bei der Indian 4 am Getriebegehäuse beim Schalthebel. Bei den Seventy-Four der Nachkriegsjahre stehen Buchstaben für Modell und Baujahr auf dem linken Kurbelgehäuse.

Wie viel Öl braucht der Motor und wie oft wird gewechselt? Die Mengen und Intervalle stehen in der Tabelle Füllmengen und im Abschnitt Wartung. Sie stammen direkt aus den deutschen Werksanleitungen.

Wo bekomme ich noch Teile? Bei Clubs und spezialisierten Teilehändlern. Wer die Teilenummer aus dem passenden Katalog mitbringt, spart sich Rückfragen und Fehlkäufe.

Reihenvierzylinder einer gelben Indian Four von 1940 mit Tank und Vorderradkotflügel, Ausschnitt von der Seite

Alle lieferbaren Unterlagen zu Indian

Die Tabellen zeigen jeden Titel zu Indian, der am 01.10.2026 bei uns am Lager lag, nach Unterlagenart geordnet: 14 Titel. Jeder Link führt zur Artikelseite mit Inhaltsangabe und Kaufknopf. Alle Preise in EUR, Versand aus Graz.

Betriebsanleitungen (5)

Titel Sprache Seiten Preis
Indian Arrow & Scout, Instruction Book ( Betriebsanleitung Deutsch 14,90 EUR Kaufen
Indian Motorcycle Prince Scout Chief Four Betriebsanleitung Deutsch 88 29,90 EUR Kaufen
Indian Prince Betriebs- und Betriebsanleitung Deutsch 19,90 EUR Kaufen
Indian Scout Chief Big-Chief Betriebsanleitung Deutsch 40 19,90 EUR Kaufen
Indian Seventy-Four /Four /Thirty-Fifty /Forty-Five /Dispatch-Tow, Riders Instruction Book Betriebsanleitung Deutsch 19,90 EUR Kaufen

Reparaturanleitungen (1)

Titel Sprache Seiten Preis
Indian Prince Scout Chief Big Chief Standard Schmieranleitung Reparaturanleitung Deutsch 14,90 EUR Kaufen

Ersatzteilkataloge (7)

Titel Sprache Seiten Preis
Indian 1944 to 1953 incl. Chief Part Catalog Ersatzteilkatalog Deutsch 128 29,90 EUR Kaufen
Indian Modelle 1936 - 1937 - Parts Catalouge Ersatzteilkatalog Deutsch 92 29,90 EUR Kaufen
Indian Motocycle - All Models 1936 - 1942, Parts Catalog Ersatzteilkatalog Deutsch 34,90 EUR Kaufen
Indian Motorcycle 1944 to 1948 Parts Catalog Ersatzteilkatalog Deutsch 80 19,90 EUR Kaufen
Indian Prince Spare Parts Manual Ersatzteilkatalog Deutsch 24,90 EUR Kaufen
Indian Scout Motorcycle Serie 101 Parts List Ersatzteilkatalog Deutsch 48 19,90 EUR Kaufen
Indian Typ Four Serie 401 Parts List Ersatzteilkatalog Deutsch 48 19,90 EUR Kaufen

Poster (1)

Titel Sprache Seiten Preis
Indian Motorcycle Poster Deutsch 14,90 EUR Kaufen

Wer heute noch hilft

Den Hersteller aus Springfield gibt es seit dem Konkurs 1953 nicht mehr, einen Werks-Ersatzteildienst für diese Motorräder deshalb auch nicht. Die Ersatzteillage hängt heute an Clubs, Sammlern und Nachfertigern, und die Teilenummern aus den Werkskatalogen sind dabei die gemeinsame Sprache.

In Europa ist der Indian Motocycle Club die erste Adresse, ein internationaler Club mit rund 450 Mitgliedern in 16 Ländern Europas. Eine Indian Scout steht im Deutschen Zweirad- und NSU-Museum in Neckarsulm, dort ist das Foto auf dieser Seite entstanden.

Unsere Indian-Unterlagen

Alle hier aufgeführten Titel sind lieferbar. Die deutschen Anleitungen helfen bei Bedienung und Wartung, die englischen Teilekataloge bei Bestimmung und Teilesuche.

Betriebs- und Bedienungsanleitungen

Ersatzteilkataloge

Für die Werkstattwand

Wer nur ein Buch kaufen will, nimmt den Teilekatalog über alle Modelle von 1936 bis 1942. Er deckt Scout, Chief und Four dieser Jahre gemeinsam ab und ist die beste Grundlage für die Teilesuche.

Indian Parts Catalog 1936 bis 1942 kaufen