Lohner Roller L 98 bis L 200, Sissy und Rapid

Wer heute einen Lohner Roller oder eine Sissy fährt, besitzt ein Stück Wiener Industriegeschichte. Das Werk in Floridsdorf baut schon lange keine Zweiräder mehr, einen Händler mit Werksanschluss gibt es nicht. Umso wichtiger sind die Betriebsanleitungen und Ersatzteilkataloge von damals. Diese Seite trägt zusammen, was in den Lohner-Unterlagen unseres eigenen Archivs steht. Sie zeigt, welche Anleitung und welcher Katalog zu welchem Modell gehört, welche Nummern Sie beim Bestellen brauchen und wer Halter eines Lohner-Oldtimers heute noch unterstützt, vom Moped bis zum Motorroller mit Beiwagen.

Lohner L 125 Motorroller in Mintgrün, schräg von vorn mit Scheinwerfer und Lohner-Emblem am Bug, im Museum

Vom Kutschenbauer zum Rollerwerk in Floridsdorf

Laut Wikipedia gründete Heinrich Lohner das Unternehmen 1821 in Wien. Lohner baute zuerst Kutschen, später Automobile, Flugzeuge und Strassenbahnen. Nach der Donauregulierung zog die Fabrik nach Floridsdorf, die Werkstätten lagen an der Donaufelder Strasse im 21. Bezirk. Genau diese Adresse steht auch in unseren Ersatzteilkatalogen. Das Ersatzteillager der Lohnerwerke Ges. m. b. H. lag in Wien XXI, Donaufelder Strasse 77/79, und verschickte die Teile gegen Nachnahme.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg Lohner in den Bau von Rollern und Mopeds ein. Wikipedia nennt das Wiener Unternehmen einen Pionier des Rollerbaus in Österreich. 1959 übernahmen die Lohnerwerke die Aktienmehrheit am Rotax-Motorenwerk in Gunskirchen. Im Jänner 1970 kaufte der kanadische Bombardier-Konzern die Lohnerwerke samt den Rotax-Aktien. Eine Neugründung unter dem alten Namen baute laut Wikipedia von 2010 bis 2022 Elektrofahrräder und Elektromotorräder.

Die Modelle im Überblick

Den L 125, die Sissy und den L 150 zeigte Lohner erstmals auf der Wiener Frühjahrsmesse. Die Jahreszahlen und Leistungen der Tabelle stammen aus dem Wikipedia-Artikel über die Lohner-Werke. Die Zahl der Gänge beim L 125 steht in der Betriebsanleitung aus unserem Archiv. Wo keine der beiden Quellen etwas sagt, steht unbekannt.

Modell Jahr Leistung Gänge Besonderes
L 98 1950 2,25 PS unbekannt erster österreichischer Motorroller
L 200 S 1953 8,5 PS unbekannt Leichtbeiwagen LB 200
L 125 1954 6,1 PS 3 laut Wikipedia der bekannteste Lohner
Sissy 1957 1,6 oder 2,2 PS 3 erstes Lohner-Moped
L 150 1958 8,5 PS 4 Nachfolger des L 125

Der L 98 ging laut Wikipedia am 13. April 1950 für 4360 Schilling in Serie. Den L 200 S stellte Lohner am 27. Jänner 1953 der Presse vor, als Antwort auf starke deutsche Roller wie Maico-Mobil und Heinkel. Zum L 200 gab es den Leichtbeiwagen LB 200 und später das Beiboot, bei dem Roller und Beiwagen zu einer gemeinsamen Karosserie aus Fiberglas verschmolzen. Der L 150 kam 1958 mit vier Gängen und grösserem Hubraum, Wikipedia nennt 85 km/h und eine Steigfähigkeit von 30 Prozent.

Zu den Motoren schreibt Wikipedia, dass die Lohner Roller mit Fichtel-und-Sachs-Motoren bestückt waren, die Rotax in Lizenz baute. Ein einziges Modell soll einen ILO-Motor gehabt haben, welches genau, lässt der Artikel offen. Unsere Werksunterlagen bestätigen die Sachs-Linie. Die Betriebsanleitung des L 125 verweist auf das beiliegende Handbuch des 125-ccm-Sachs-Motors, bei der Sissy steht der Sachs 50 G/3 L als Lizenzbau des Rotax-Werks im Datenblatt.

Typenschild, Fahrgestellnummer und Motornummer

Lohner selbst hat klar gesagt, welche Angaben es für eine Ersatzteilbestellung braucht. Die Ersatzteilkataloge für den L 125 mit Rapid 200 und für die Sissy drucken dieselbe Liste ab.

  • Fahrgestellnummer
  • Motornummer
  • Ersatzteilnummer
  • Benennung
  • Farbe
  • Stückzahl
  • Versandart, also Bahn, Post oder Express

Bei Garantieansprüchen verlangte das Werk zusätzlich das Verkaufsdatum und die gefahrenen Kilometer. Auch die Service-Gutscheine in den Sissy-Anleitungen haben je ein Feld für Motornummer und Fahrgestellnummer. Wo genau die Nummern am Fahrzeug eingeschlagen sind, beschreiben die Anleitungen aus unserem Archiv nicht. Schauen Sie deshalb in die Fahrzeugpapiere, dort stehen beide Nummern, und vergleichen Sie mit dem Typenschild und dem Motorgehäuse.

Lohner L 125, die Werksdaten

Die Betriebsanleitung für den Motorroller L 125 trägt kein Druckjahr. Sie beschreibt Betrieb und Instandhaltung und nennt die folgenden Zahlenwerte. Das Fahrgestell ist ein selbsttragendes Rahmengehäuse aus gepressten Stahlblechteilen.

Merkmal L 125
Zylinder 1
Bohrung x Hub 54 x 54 mm
Hubraum 124 ccm
Leistung 6,1 PS bei 5500 U/min
Verdichtung 1:6,5
Gänge 3
Vergaser Bing 1/20/29, Hauptdüse 95
Zündkerze Wärmewert 225
Reifen 4,00 x 8,00 Zoll
Tank 8,5 l, davon 1,5 l Reserve
Mischung 1:25
Verbrauch 2,8 l bei 60 km/h
Tempo ca. 80 km/h
Länge 1900 mm
Radstand 1300 mm
Gewicht 110 kg
Zuladung 180 kg
Gesamt 290 kg zulässig
Batterie 6 V, 7 Ah

Die Anleitung hat einen wichtigen Hinweis für Besitzer späterer Maschinen. Für Roller mit Dynastartanlage gilt eine Sonderbeilage. In unserem Archiv haben wir diese Sonderbeilage bisher nicht gefunden. Wer einen L 125 mit Dynastart besitzt, sollte die Angaben zur Elektrik deshalb mit Vorsicht übernehmen.

Rapid 200 und L 200

Der Rapid 200 teilt sich den Ersatzteilkatalog mit dem L 125. Auf dem Titelblatt stehen beide Namen. Im Katalog gibt es eigene Abschnitte mit dem Vermerk nur für Rapid 200, etwa für den linken Seitendeckel, die vordere und hintere Motoraufhängung, den Luftfilter und den Schalthebel am Motor. Die Bestellnummern der Rapid-Teile beginnen mit 16, die des L 125 mit 15. Daran erkennen Sie schnell, ob ein Teil für Ihren Roller passt. Technische Daten des Rapid 200 enthält der Katalog nicht, eine eigene Betriebsanleitung zum Rapid haben wir nicht.

Für den grossen L 200 führen wir die Betriebsanleitung des Superrollers L 200. Sie liegt uns nicht als durchsuchbare Datei vor, darum nennen wir hier keine Werte daraus.

Lohner Sissy Moped-Roller in Blau mit weisser Sitzbank und Gepäckträger, schräg von vorn links, im Museum

Sissy, das Moped aus Wien

Die Sissy war laut Wikipedia das erste Lohner-Moped und kam 1957 auf der Wiener Frühjahrsmesse. Im ersten Jahr wurden 3300 Stück verkauft. Eine Besonderheit war der vermeintliche Tank, der als abnehmbarer Gepäckkoffer diente. Die zweisitzige Ausführung erlaubte erstmals, ein Moped zu zweit zu fahren. Für Halter zählt vor allem der Jahrgang, denn Mass und Gewicht der beiden Anleitungen aus unserem Archiv unterscheiden sich deutlich. Die Anleitung für den Moped-Roller Sissy ist die Ausgabe 1959, die zweite gilt für die Sissy Modell 60 und ist die Ausgabe 1960.

Merkmal Sissy 1959 Sissy 60
Motor Sachs 50 G/3 L Sachs 50 G/3 L
Bohrung x Hub 38 x 42 mm 38 x 42 mm
Hubraum 47 ccm 47 ccm
Gänge 3 3
Reifen 2,50-12 oder 16 x 2,50 2,50-12
Tank 6,5 l ca. 7 l
Mischung 1:25 1:25
Länge 1600 mm 1750 mm
Breite 650 mm 550 mm
Radstand 1300 mm 1200 mm
Gewicht 43 kg 60 kg
Belastung 160 kg 160 kg

Beide Anleitungen behandeln nur das Fahrgestell. Für alle anderen Motordaten verweisen sie auf das mitgelieferte Handbuch des Sachs-Dreigang-Motors. Wer den Motor zerlegen will, braucht also zusätzlich die Unterlagen zum Sachs-Motor aus der Rotax-Fertigung. Die finden Sie über unsere Suche nach Rotax.

Welche Unterlage zu welchem Lohner

Unterlage Modell Ausgabe
Anleitung L 125 ohne Jahr
Anleitung Superroller L 200 unbekannt
Anleitung Sissy 1959
Anleitung Sissy Modell 60 1960
Katalog L 125 und Rapid 200 ohne Jahr
Katalog Sissy Jänner 1958
Katalog Sissy 1960/61 unbekannt

Was Halter eines Lohner wissen wollen

Welche Nummern brauche ich für die Teilebestellung?

Fahrgestellnummer und Motornummer, dazu die Ersatzteilnummer aus dem Katalog. So hat es schon das Werk verlangt. Die Kataloge nennen zu jeder Position die Bestellnummer und die Stückzahl pro Fahrzeug.

Welcher Motor steckt in meiner Sissy?

Ein luftgekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor Sachs 50 G/3 L, gebaut in Lizenz vom Rotax-Werk. Der Sissy-Katalog führt ihn unter der Bezeichnung Fichtel und Sachs Motor 50/3L, Lizenzbau Rotax Werk A. G.

Passt der Katalog des L 125 auch für den Rapid 200?

Ja, es ist ein gemeinsamer Katalog. Achten Sie auf die Abschnitte nur für Rapid 200 und auf die Bestellnummern, die beim Rapid mit 16 beginnen.

Mein L 125 hat Dynastart, gilt die Anleitung trotzdem?

Für Bedienung, Pflege und die meisten Zahlenwerte ja. Für die Elektrik verweist die Anleitung auf eine eigene Sonderbeilage für Maschinen mit Dynastartanlage. Diese Sonderbeilage steht so nicht in unseren Unterlagen.

Wo finde ich Daten zum L 98 und zum L 150?

Eine Betriebsanleitung zu diesen beiden Modellen haben wir derzeit nicht. Zum L 150 führen wir einen Verkaufsprospekt. Die Eckdaten in der Übersicht oben stammen aus Wikipedia.

Alle lieferbaren Unterlagen zu Lohner Roller L 125, L 200, Sissy

Die Tabellen zeigen jeden Titel zu Lohner Roller L 125, L 200, Sissy, der am 29.09.2026 bei uns am Lager lag, nach Unterlagenart geordnet: 9 Titel. Jeder Link führt zur Artikelseite mit Inhaltsangabe und Kaufknopf. Alle Preise in EUR, Versand aus Graz.

Betriebsanleitungen (4)

Titel Sprache Seiten Preis
Lohner L 125 Betriebsanleitung Deutsch 28 14,90 EUR Kaufen
Lohner Sissy Betriebsanleitung für das Fahrgestell Deutsch 16 9,90 EUR Kaufen
Lohner Sissy Moped-Roller Betriebsanleitung Deutsch 12 9,90 EUR Kaufen
Lohner Superroller L 200 Betriebsanleitung Deutsch 9,90 EUR Kaufen

Ersatzteilkataloge (3)

Titel Sprache Seiten Preis
Lohner L 125, Rapid 200 Ersatzteilkatalog Deutsch 24 14,90 EUR Kaufen
Lohner Moped-Roller Sissy 1960/61 Ersatzteilkatalog Deutsch 14,90 EUR Kaufen
Lohner Sissy Moped-Roller Fahrgestell Ersatzteilkatalog Deutsch 24 14,90 EUR Kaufen

Fachbücher (1)

Titel Sprache Seiten Preis
Lohner Roller & Mopeds, Ehn, Friedrich F Deutsch 272 49,90 EUR Kaufen

Prospekte (1)

Titel Sprache Seiten Preis
Lohner Motorroller L 150 Prospekt Deutsch 19,90 EUR Kaufen

Wer heute noch hilft

Die Ersatzteillage ist schwierig, neue Teile vom Werk gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr, einige Händler für österreichische Oldtimer führen aber eigene Teilebereiche für den L 125 und die Sissy. Einen eigenen Lohner-Club konnten wir nicht belegen. Diese Adressen helfen weiter.

Im Museum Traiskirchen und im Zylinderhaus wurden Lohner Roller fotografiert, die Bilder auf dieser Seite stammen von dort. Ob die Fahrzeuge heute noch ausgestellt sind, fragen Sie vor dem Besuch am besten nach.

Roter Lohner Motorroller mit Gepäck auf der Sitzbank, schräg von vorn rechts im Stadtmuseum Traiskirchen

Das Fachbuch zu Lohner Roller und Moped

Die Anleitungen und Kataloge beantworten Fragen zu einem Modell. Wer die ganze Geschichte der Lohner Roller und Mopeds lesen will, greift zum Buch von Friedrich F. Ehn. Die Preise auf dieser Seite haben wir am 01.10.2026 im Shop geprüft.

Alle Werksdaten dieser Seite stammen aus den Betriebsanleitungen und Ersatzteilkatalogen in unserem eigenen Archiv. Wo ein Wert von Wikipedia stammt, steht das im Text. Schon das Lohner-Ersatzteillager wollte bei jeder Bestellung Fahrgestellnummer und Motornummer wissen, und die helfen uns heute genauso. Fehlt eine Angabe zu Ihrem Lohner, schreiben Sie uns das Modell, die Fahrgestellnummer und die Motornummer, wir suchen den passenden Titel heraus.

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