Norton Commando, Dominator, Atlas, ES2 und Manx Motorräder

Wer heute eine Norton aus Birmingham fährt, ob Commando, Dominator, Atlas, ES2 oder Manx, stellt früher oder später dieselben Fragen. Welche Anleitung passt zu welchem Modell, wo ist die Motornummer eingeschlagen, welches Öl gehört in den Motor, und wer liefert noch Teile, seit es das Werk nicht mehr gibt? Diese Seite fasst zusammen, was die englischen Werksunterlagen in unserem Bestand dazu sagen. Sie richtet sich an Besitzer eines Norton-Oldtimers, ob Motorrad für die Landstrasse oder Rennmaschine.

Norton Commando Roadster von 1973, freistehend von der linken Seite vor einem Holzzaun

Norton aus Birmingham

Laut Wikipedia gründete James Lansdowne Norton die Firma 1898 in Birmingham. Ihr bekanntester Sitz war die Bracebridge Street, so steht es auch im Wartungshandbuch der Norton Motors Limited von 1962. Laut Wikipedia schloss das Werk in der Bracebridge Street 1962, die Fertigung zog in das Werk von AMC in Woolwich im Südosten Londons. Das Werkstatthandbuch der Commando nennt als Herausgeber die Norton Villiers Limited an der Plumstead Road in Woolwich.

Für die Commando war die Fertigung laut Wikipedia über mehrere Orte in England verteilt. Die Motoren entstanden in Wolverhampton, die Endmontage zog nach Andover in Hampshire, und die Versuchsabteilung sass in einem Flugzeughangar auf dem Flugplatz Thruxton. Die Norton Motors Ltd ging laut Andover Norton 1977 in Liquidation, die Dachgesellschaft Norton Villiers Triumph laut Wikipedia 1978. Firmen, die später unter dem Namen Norton Motorräder bauten, sind andere Unternehmen. Für Halter der alten Maschinen zählen die Unterlagen aus Birmingham, Woolwich und Andover.

Motornummer und Rahmennummer

Ohne Nummer gibt es keine passenden Teile. Das Wartungshandbuch von 1962 beschreibt, wo die Nummern sitzen. Die Motornummer mit ihrem Präfix ist auf der Antriebsseite des Kurbelgehäuses unter dem Zylinderfuss eingeschlagen, die Rahmennummer am linken Knotenblech des Rahmens unter dem Batteriekasten. Beide sollten gleich sein, und bei jeder Ersatzteilbestellung soll man sie vollständig angeben.

Bei der Commando steht laut Werkstatthandbuch die Motornummer auf dem Kurbelgehäuse, die Getriebenummer auf dem Getriebegehäuse und die Rahmennummer links am Steuerkopf. Die Ersatzteilliste der Commando von 1973 gilt für die 850 und die 750 ab Motornummer 212278 und mahnt in Grossbuchstaben, immer die Motornummer anzugeben. Schon die Ersatzteilliste von 1946 für die Modelle 1, 16H und 18 verlangt bei jeder Bestellung Motornummer und Rahmennummer.

Die Einzylinder von 16H bis ES2

Die 16H und die Big 4 waren Seitenventiler, englisch side valve, also Motoren mit stehenden Ventilen neben dem Zylinder. Laut Wikipedia baute Norton im Zweiten Weltkrieg fast 100 000 Militärmotorräder der Modelle 16H und Big 4. Die Big 4 lief laut Wikipedia von 1907 bis 1954 vom Band, die ES2 von 1927 bis 1964. Die ES2 und die kleinere Model 50 haben obengesteuerte Ventile, englisch OHV für overhead valves.

Das Wartungshandbuch von 1962 nennt für die Einzylinder Model 50 und ES2 und für die Zweizylinder Model 88, 99 und 650 diese Daten.

Merkmal Model 50 ES2 Model 88 Model 99 Model 650
Bohrung 71 mm 79 mm 66 mm 68 mm 68 mm
Hub 88 mm 100 mm 72,6 mm 82 mm 89 mm
Hubraum 348 ccm 490 ccm 497 ccm 597 ccm 646 ccm
Verdichtung 7,3 : 1 7,1 : 1 8,5 : 1 8,2 : 1 9 : 1
Gewicht ca. 380 lbs ca. 385 lbs ca. 390 lbs ca. 395 lbs ca. 408 lbs

Das Gewicht steht im Handbuch als Trockengewicht in englischen Pfund, abgekürzt lbs, jeweils als ungefährer Wert. Für die Model 88 SS des Jahrgangs 1962 nennt es eine Verdichtung von 9,45 : 1. Für Model 50, ES2 und Model 88 fasst der Tank nach dem Handbuch ungefähr 16 Liter, der Öltank 2,3 Liter. Vorn ist bei diesen drei Modellen ein Reifen 3.00 x 19 vorgesehen, hinten 3.50 x 19.

Für die Einzylinder und die frühen Zweizylinder führen wir diese Anleitungen.

Norton Dominator 88 von 1957, restauriert, von der Seite

Dominator, Atlas und die leichten Zweizylinder

Den Zweizylinder der Dominator entwarf laut Wikipedia in den Jahren 1947 und 1948 Bert Hopwood, der zuvor bei Triumph am Speed Twin mitgearbeitet hatte. Zu kaufen gab es die Dominator ab Mitte 1949. Die Model 99 mit 597 ccm kam laut Wikipedia im September 1955 dazu, die 650SS im September 1961. Die Atlas baute Norton laut Wikipedia von 1962 bis 1968, dann löste die Commando sie ab.

Das Werkstatthandbuch für die Zweizylinder unterscheidet zwei Familien. Zu den leichten Zweizylindern zählt es Jubilee, Navigator und Electra, zu den schweren die Model 88 und 99, die 650 SS, die 750 Atlas und die 750 G15 CS. Die Jubilee gab es laut Wikipedia von 1958 bis 1966, die Navigator von 1960 bis 1965. Die Ersatzteilliste von 1964 deckt die Model 88 SS, 650 SS, 650/99 und Atlas ab, dazu die G15P und die G15CS.

Featherbed, der Rahmen aus Belfast

Featherbed heisst auf Deutsch Federbett. Laut Wikipedia erfanden die Brüder McCandless diesen Rahmen und boten ihn Norton an. Eingeführt wurde er 1950, konstruiert von Rex McCandless aus Belfast. Eine bei Wikipedia zitierte Quelle nennt ihn den Massstab, an dem Fahrverhalten und Lenkung aller Rennmaschinen gemessen werden.

Wer an eine Featherbed-Norton einen Beiwagen bauen will, findet im Wartungshandbuch von 1962 einen eigenen Abschnitt dazu. Ohne verringerten Nachlauf fahre ein solches Gespann schlecht, darum bot das Werk eine eigene Gabelbrücke mit Lenkrohr an. Dasselbe Handbuch beschreibt, dass sich Fussrasten der Manx-Bauart auch an den Standard-Featherbed-Rahmen montieren lassen. Für die Commando sagt das Fahrerhandbuch dagegen ausdrücklich, sie sei nicht für einen Beiwagen geeignet. Ihr Motor mit 750 ccm sitzt laut diesem Handbuch in Gummi gelagert in einem leichten Rahmen ganz neuer Bauart.

Manx 30M und 40M

Die Manx war die Rennmaschine von Norton für Privatfahrer. Laut Wikipedia trägt sie auch die Bezeichnungen 30M und 40M. Gebaut wurde sie von 1946 bis 1953 mit langem Hub und von 1953 bis 1962 mit kurzem Hub. Norton zog sich laut Wikipedia 1954 aus dem Grand-Prix-Sport zurück, die Rennabteilung in der Bracebridge Street arbeitete aber bis 1962 weiter, und die Manx blieb eine feste Grösse im Rennsport der Privatfahrer. Die letzten Manx aus der Bracebridge Street wurden laut Wikipedia 1963 verkauft. Eine Werksanleitung zur Manx führen wir derzeit nicht.

Norton Manx Rennmaschine von 1952 mit Startnummer 1 in einer Ausstellung

Commando 750 und 850

Die Commando baute Norton laut Wikipedia von 1967 bis 1977. Sie hat einen Reihenzweizylinder, englisch parallel twin, zunächst mit nominal 750 ccm. 1973 kam die 850. Die 850 Mk III erschien 1975 mit Elektrostarter, Schalthebel links und Fussbremse rechts.

Die Ersatzteillisten des Werks führen die Bauformen Fastback, Roadster, Interstate und Hi-Rider. Für die Fastback gibt es eine eigene Ersatzteilliste von 1969. Die Liste von 1973 unterscheidet bei Lenker und Auspuff zwischen Roadster, Hi-Rider und Interstate.

Das Werkstatthandbuch der Commando nennt diese Daten.

Merkmal Commando
Bohrung 73,025 mm
Hub 89 mm
Hubraum 745 ccm
Verdichtung 8,9 : 1
Zündung 28° vor OT
Kerze N6Y
Tank 14,7 l
Primär 200 ccm
Gabel 150 ccm je Bein

Primär meint den Primärkasten, englisch chaincase, also den Kettenkasten zwischen Motor und Getriebe. Das Fahrerhandbuch der Commando 750 liegt uns in der zweiten Auflage vom August 1968 vor. Es nennt Speed Kits, also Tuningsätze, in drei Stufen.

Das Motoröl wählt man laut Werkstatthandbuch nach der Aussentemperatur.

Aussen Motoröl oder
über 10 °C SAE 20/50 SAE 50
über 0 °C SAE 20/50 SAE 30
unter 0 °C SAE 10/30 SAE 20

Für das Getriebe nennt das Handbuch über 0 °C SAE 50 oder Mobilube GX 90, darunter SAE 30.

Das Werkstatthandbuch der Polizeimaschine Interpol 2 mit Wankelmotor stammt von der Norton Motors 1978 Limited, einer der späteren Firmen. Auch dieses Handbuch führen wir.

Was Halter einer Norton wissen wollen

Welche Unterlagen gibt es zur Norton Dominator?

Für die Model 88, 99 und 650 gibt es das Norton Maintenance Manual und das Handbuch für die Typen 50, ES2, 88, 99, 650 und 750. Die Daten der Tabelle oben stammen aus dem Wartungshandbuch des Werks von 1962.

Gibt es ein Norton Poster?

Ja, wir führen ein grossformatiges Motorrad-Poster mit Norton-Motiv im Offsetdruck, 50 x 70 cm gross.

  • Norton Poster, grossformatiges Poster mit Norton-Motiv, 14,90 EUR

Wo steht die Motornummer einer Norton?

Bei den Modellen aus Birmingham steht sie laut Wartungshandbuch auf der Antriebsseite des Kurbelgehäuses unter dem Zylinderfuss. Bei der Commando ist sie auf dem Kurbelgehäuse eingeschlagen, die Rahmennummer links am Steuerkopf.

Welches Öl gehört in den Motor der Commando?

Über 10 °C nennt das Werkstatthandbuch SAE 20/50 oder SAE 50, unter 0 °C SAE 10/30 oder SAE 20.

Kann ich an meine Norton einen Beiwagen anbauen?

An die Featherbed-Modelle ja, das Wartungshandbuch von 1962 hat dafür einen eigenen Abschnitt. Die Commando ist laut Fahrerhandbuch nicht für einen Beiwagen geeignet.

Welche Anleitung passt zur Commando 750 und 850?

Das Reparaturbuch für die Commando 750 und 850 deckt beide Hubräume ab, dazu die Bauformen Fastback, Roadster, Interstate und Hi-Rider. Für die Fastback gibt es das Riders Handbook, für die 750 die Parts List.

Das Fachbuch zur Norton Commando

Das wichtigste Buch für die Werkstatt einer Commando ist das Reparaturbuch für die Commando 750 und 850. Es ist Reparaturanleitung und Werkstatthandbuch in einem, ist auf Deutsch geschrieben und gilt für beide Hubräume.

Alle lieferbaren Unterlagen zu Norton

Die Tabellen zeigen jeden Titel zu Norton, der am 01.10.2026 bei uns am Lager lag, nach Unterlagenart geordnet: 8 Titel. Jeder Link führt zur Artikelseite mit Inhaltsangabe und Kaufknopf. Alle Preise in EUR, Versand aus Graz.

Betriebsanleitungen (3)

Titel Sprache Seiten Preis
Norton 16 H Betriebsanleitung Deutsch 14,90 EUR Kaufen
Norton Commando 750 Fastback Betriebsanleitung Deutsch 14,90 EUR Kaufen
Norton Maintenance Betriebsanleitung Deutsch 24,90 EUR Kaufen

Reparaturanleitungen (3)

Titel Sprache Seiten Preis
Norton 50, E.S.2, 88, 99, 650, 750 und Sport-Spezial Reparaturanleitung Deutsch 24,90 EUR Kaufen
Norton Commando 750/850 Reparaturanleitung und Werkstatthandbuch Deutsch 116 39,90 EUR Kaufen
Norton Interpol 2 Reparaturanleitung Deutsch 34,90 EUR Kaufen

Ersatzteilkataloge (1)

Titel Sprache Seiten Preis
Norton Commando 750 Ersatzteilkatalog Deutsch 24,90 EUR Kaufen

Poster (1)

Titel Sprache Seiten Preis
Norton Poster Deutsch 14,90 EUR Kaufen

Wer heute noch hilft

Das Werk in der Bracebridge Street gibt es seit 1962 nicht mehr, die Norton Motors Ltd seit 1977. Die Ersatzteillage für Commando und Dominator ist gut. Andover Norton nennt sich die Quelle aller Ersatzteile für Commando und Dominator und führt auch Teile für Featherbed-Einzylinder und Zweizylinder sowie die P11. Die Firma entstand laut eigener Darstellung, als in Andover die Fertigung und der Vertrieb von Norton-Ersatzteilen nach der Liquidation weiterliefen, und besitzt die Originalwerkzeuge und die Originalzeichnungen.

Halter finden Rat in den Clubs. Der Norton Owners Club wurde 1959 gegründet, ist in England eingetragen und hat 29 Zweigstellen in Grossbritannien. Die International Norton Owners Association, kurz INOA, entstand Ende der 1970er Jahre als United States Norton Owners Association und hat heute 36 lokale Gruppen. In Genf trifft sich der Norton Sport Club de Genève. Fragen zur Commando beantwortet das Forum Access Norton. Das National Motorcycle Museum bei Solihull zeigt nach eigenen Angaben über 1000 Motorräder, darunter Norton-Rennmaschinen mit Kreiskolbenmotor.

Alle Werksdaten dieser Seite stammen aus Wartungshandbüchern, Werkstatthandbüchern und Ersatzteillisten des Werks in unserem Bestand an Werksunterlagen. Wo ein Wert von Wikipedia oder von einem Club stammt, steht das im Text. Fehlt eine Angabe zu Ihrer Norton, schreiben Sie uns Modell, Baujahr, Motornummer und Rahmennummer, wir suchen den passenden Titel heraus.

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