Puch 250 SG, SGS, SGA, SGSA und TF Motorräder

Wer eine Puch 250 SGS fährt, hat einen Motor unter dem Tank, den es so nur bei wenigen Marken gab. Puch in Graz baute diese Motorräder mit dem Doppelkolben-Zweitakter, zwei Kolben in zwei Zylinderbohrungen, die zusammen arbeiten. Zur Familie gehören die 250 TF, die vier Typen 250 SG, SGS, SGA und SGSA und als kleine Schwestern die 125 SV, die 175 SV, die 125 TL und die 150 TL. Die ältere 250 S4 hat dieselbe Bohrung und denselben Hub. Diese Seite hilft, das eigene Motorrad sicher einzuordnen, nennt die Werksdaten aus den Betriebsanleitungen und zeigt, welche Werksunterlagen zu welchem Oldtimer passen.

Rote Puch 250 SGS der Feuerwehr mit Blaulichtern und Schild Feuerwehr, schräg von vorn, im Feuerwehrmuseum Purgstall

Woran erkenne ich SG, SGS, SGA und SGSA

In der gemeinsamen Betriebsanleitung schreibt das Werk, dass alle vier Modelle im konstruktiven Aufbau fast gleich sind. Alle vier haben den Doppelkolben-Zweitakter mit Gleichstromspülung, und das Fahrwerk ist bei allen vier gleich. Dazu gehören der Schalenrahmen, die Teleskopgabel, die Hinterradschwinge, Räder mit 16 Zoll und Bremsen in Leichtmetall-Vollnaben mit 180 mm. Die Unterschiede liegen beim Ansaugweg und beim Anlasser.

  • 250 SG, die Tourenmaschine mit Ansauggeräuschdämpfer und ohne elektrischen Anlasser, 13,8 PS bei 5800 U/min und Verdichtung 1:6,2.
  • 250 SGS, mit anderer Vergaseranordnung und verkürztem Saugkanal, Vergaser Puch P 32/1 mit Nassluftfilter, 16,5 PS bei 5800 U/min und Verdichtung 1:6,5.
  • 250 SGA, wie die SG, aber mit elektrischem Pendelanlasser. Die Elektrik ist ein Bosch-Pendel-Licht-Anlass-Batterie-Zünder mit 12 Volt und 60 bis 90 Watt, dazu kommen zwei Batterien mit je 6 Volt und 11 Ah. Das Trockengewicht steigt auf 151 kg.
  • 250 SGSA, mit dem Motor der SGS und der Starteinrichtung der SGA, ohne Ansauggeräuschdämpfer.

Wer vor einer Maschine steht, schaut zuerst auf den Anlasser. Ein elektrischer Pendelanlasser spricht für eine SGA oder SGSA. Dann auf den Ansaugweg. Der Ansauggeräuschdämpfer gehört zur SG und zur SGA, der kurze Saugkanal zur SGS und zur SGSA. Der Ersatzteilkatalog führt für die vier Typen eigene Typnummern. Wird ein Teil für mehrere Typen verwendet, behält es die Typnummer des Grundmodells. Nach Wikipedia steht SGS für Schwing-Gabel-Sport, die SGS wurde am 1. Oktober 1953 in Paris vorgestellt und im Werk Thondorf bei Graz gebaut.

Rahmennummer und Motornummer

Wo Rahmennummer und Motornummer eingeschlagen sind, beschreibt keine der Betriebsanleitungen, Reparaturanleitungen und Ersatzteilkataloge in unserem Archiv. Das steht so nicht in den Unterlagen, deshalb nennen wir hier keine Stelle. Wichtig ist die Motornummer trotzdem. Die Ersatzteilkataloge verlangen für jede Bestellung die genaue Bezeichnung des Typs, die Motornummer, die Ersatzteilnummer, die Benennung und die Farbe.

Bei der 250 S4 entscheidet die Motornummer sogar über die Ausstattung. Bis Motor 122.100 gibt es einen Zündverstellhebel an der Schaltkulisse und eine randrierte Startschraube. Ab Motor 122.101 ist die Zündung fix eingestellt, und zum Starten dient ein Starthebelchen.

Der Doppelkolbenmotor in fünf Sätzen

Beim Doppelkolbenmotor von Puch steuert ein Kolben den Einlass und den Auslass, der zweite Kolben steuert den Spülvorgang. Der vordere Auspuffkolben öffnet und schliesst die Auslassschlitze früher als der Spülkolben die Spülschlitze, deshalb bleiben die Spülverluste gering. Der Einlass öffnet vor dem oberen Totpunkt früher, als er nach ihm schliesst, und das dämmt das Gasrückblasen bei niedriger Drehzahl ein. Spülgas und Abgas strömen in derselben Richtung durch die Zylinderbohrungen, das Werk nennt das Gleichstromspülung. Damit der Auspuff vor dem Spülvorgang erfolgen kann, laufen die Motoren entgegengesetzt zur Fahrtrichtung.

So erklärt es das Werk in der Betriebsanleitung der 125 SV und 175 SV. Dieselbe Gleichstromspülung nennt es in der Anleitung der SG-Familie als Merkmal aller vier Typen. Eine allgemeine Erklärung der Bauart bietet der Artikel Doppelkolbenmotor bei Wikipedia.

Werksdaten der 250 S4, 250 TF, 250 SG und 250 SGS

Alle Werte stammen aus den Zahlentafeln der Betriebsanleitungen. Die Werke haben das Gewicht nicht immer gleich gemessen, deshalb steht die Art der Messung bei jedem Wert. Die Zündung ist wörtlich so bezeichnet wie im Werk.

Merkmal 250 S4 250 TF 250 SG 250 SGS
Motor 1 Doppelzylinder Zweitakt-Doppelkolben mit Gleichstromspülung 1 Doppelzylinder 1 Doppelzylinder
Bohrung und Hub 2 x 45 mm und 78 mm 2 x 45 mm und 78 mm 2 x 45 mm und 78 mm 2 x 45 mm und 78 mm
Hubraum 248 ccm 246 ccm 248 ccm 248 ccm
Leistung 10,5 PS bei 4100 U/min 12 PS bei 4500 U/min 13,8 PS bei 5800 U/min 16,5 PS bei 5800 U/min
Verdichtung 1:6,2 1:6,2 1:6,2 1:6,5
Vergaser Puch Fischer-Amal oder Puch P 30/2 Puch P 32/1 mit Ansauggeräuschdämpfer Puch P 32/1 mit Nassluftfilter
Zündung Lichtsammler-Zünderanlage, 6 Volt Batterie-Zünd-Lichtanlage, 6 Volt Batterie-Zünd-Lichtanlage, 6 Volt Batterie-Zünd-Lichtanlage, 6 Volt
Gänge 4, Klauenschaltung 4, Fussschaltung links 4 4
Tankinhalt 12,5 Liter, davon 2,5 Reserve 11 Liter, davon 3 Reserve 13 Liter, davon 3 Reserve 13 Liter, davon 3 Reserve
Reifen 3 x 19 Zoll 3,25-19 3,5 x 16 3,5 x 16
Gewicht 140 kg mit vollem Tank 126 kg trocken 155 kg fahrfertig 155 kg fahrfertig
Tempo 100 km/h einsitzig ca. 100 km/h ca. 105 km/h ca. 110 km/h, sportlich ca. 122 km/h

Die 250 SG und die 250 SGS teilen sich Bohrung, Hub, Tank, Reifen und Gewicht. Die SGS holt aus dem kürzeren Saugkanal 16,5 statt 13,8 PS und läuft sitzend gefahren ca. 110 km/h, die SG ca. 105 km/h. Die 250 TF leistet 12 PS bei 4500 U/min und läuft ca. 100 km/h. Nach Wikipedia wurde die TF von 1948 bis 1954 gebaut, insgesamt 59.601 Stück. Die 250 S4 hat eine Lichtsammler-Zünderanlage mit 6 Volt, ein Vierganggetriebe mit Klauenschaltung, einen Doppelschleifenrahmen, eine Parallelogramm-Pressstahlgabel und eine Innenbackenkupplung in der Hinterradnabe. Die Dauergeschwindigkeit gibt das Werk mit 90 km/h bei 3700 U/min an, den Verbrauch mit 3,1 Liter auf 100 km und das Steigvermögen im kleinsten Gang mit 40 Prozent.

Cremeweisse Puch 250 TF von 1951 mit schwarzen Sätteln, schräg von vorn, in der Autosammlung Steim

Werksdaten der kleinen Schwestern 125 SV, 175 SV, 125 TL und 150 TL

Auch die kleinen Puch-Motorräder haben den Doppelkolben-Zweitakter mit Gleichstromspülung. Die 125 SV und die 175 SV haben ein Vierganggetriebe mit Fussschaltung und eine Scheibenkupplung im Ölbad. Die 125 SV gab es auch mit dem Fischer-Amal-Vergaser 19 E 1 K mit Nassluftfilter.

Merkmal 125 SV 175 SV 125 TL 150 TL
Motor Zweitakt-Doppelkolben mit Gleichstromspülung Zweitakt-Doppelkolben mit Gleichstromspülung Zweitakt-Doppelkolben mit Gleichstromspülung Zweitakt-Doppelkolben mit Gleichstromspülung
Bohrung und Hub 2 x 38 mm und 55 mm 2 x 42 mm und 62 mm 2 x 38 mm und 55 mm 2 x 40 mm und 59,6 mm
Hubraum 124 ccm 172 ccm 125 ccm 150 ccm
Leistung 6,5 PS bei 5800 U/min 10 PS bei 5800 U/min 5,7 PS bei 5200 U/min 7 PS bei 5500 U/min
Verdichtung 1:6,5 1:6,5 1:6,5 1:6,5
Vergaser Puch P 18/2 oder Fischer-Amal 19 E 1 K Bing 1/24 oder Fischer-Amal 24 E 1 A Puch P 18/2 Puch P 18/2
Zündung Batterie-Zünd-Lichtanlage, 6 Volt Batterie-Zünd-Lichtanlage, 6 Volt Batterie-Zünd-Lichtanlage, 6 Volt Batterie-Zünd-Lichtanlage, 6 Volt
Gänge 4, Fussschaltung 4, Fussschaltung 4, Fussschaltung 4, Fussschaltung
Tankinhalt 11,5 Liter, davon 1,5 Reserve 11,5 Liter, davon 1,5 Reserve 9 Liter, davon 1,5 Reserve 9 Liter, davon 1,5 Reserve
Reifen 3,25-16 3,25-16 3,00-19 3,00-19
Gewicht 118 kg mit Kraftstoff 119 kg mit Kraftstoff 96 kg ohne Kraftstoff 96 kg ohne Kraftstoff
Tempo ca. 82 km/h ca. 93 bis 95 km/h ca. 75 km/h ca. 85 km/h

Eigene Werksdaten der 250 TFS, 125 SVS, 175 SVS, 125 T, 125 TT und der MCH-Typen stehen in den hier ausgewerteten Anleitungen nicht, deshalb fehlen sie in den Tabellen.

Hellblaue Puch 175 SVS von 1954 auf grünem Kunstrasen, schräg von vorn, vor einer dunklen Holzwand

Was Halter an der Puch 250 wissen wollen

Welche Betriebsanleitung passt zur 250 SG

Die gemeinsame Betriebsanleitung für SG, SGA, SGS und SGSA deckt alle vier Typen ab. Sie enthält die Zahlentafeln, die Zündeinstellung für beide Ausführungen und je ein Schaltschema für SG und SGS sowie für SGA und SGSA. Für die SGS gibt es zusätzlich eine eigene Betriebsanleitung.

Gibt es eine Explosionszeichnung der 250 SG

Ein eigenes Blatt mit Explosionszeichnung führen wir nicht. Für die Teile der SG-Familie ist der Ersatzteilkatalog für SG, SGS, SGA und SGSA die Grundlage. Das Werk verlangt für jede Bestellung Typ, Motornummer, Ersatzteilnummer, Benennung und Farbe.

Welche technischen Daten hat die 250 SGS

Die 250 SGS hat 248 ccm, 16,5 PS bei 5800 U/min, Verdichtung 1:6,5 und den Vergaser Puch P 32/1 mit Nassluftfilter. Der Tank fasst 13 Liter, davon 3 Liter Reserve. Die Reifen haben das Mass 3,5 x 16. Fahrfertig wiegt die SGS 155 kg. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei ca. 110 km/h sitzend und ca. 122 km/h sportlich gefahren, mit Seitenwagen bei ca. 90 km/h.

Gibt es eine Reparaturanleitung für die 250 TF

Eine Reparaturanleitung nur für die TF haben wir nicht. Unser Angebot der Reparaturanleitung für die SG-Familie nennt die TF im Titel, in der Anleitung selbst wird die TF aber nicht eigens genannt. Für die TF selbst gibt es die Betriebsanleitung mit Beschreibung, Betrieb und Instandhaltung und den Ersatzteilkatalog.

Was ist mit der 250 S4 als Wehrmachtsmodell gemeint

Die Bezeichnung Wehrmachtsmodell steht im Titel unseres Angebots, in der Betriebsanleitung selbst kommt das Wort nicht vor. Belegt ist, dass die S4 einen Fussschalthebel und einen Handschalthebel hat und dass das Werk das Einstellen von Fussschaltung und Handschaltung beschreibt. Die 250 R nennen die ausgewerteten Anleitungen nicht. Sie steht nur in der Typenliste unseres Angebots für den Ersatzteilkatalog der älteren Touren- und Sportmodelle, im Katalog selbst sind die 250 T 3 und die 250 S 4 genannt.

Wo finde ich den Schaltplan der 125 SV

Die Betriebsanleitung der 125 SV und 175 SV enthält ein elektrisches Schaltschema. Die Anlage ist eine Batterie-Zünd-Lichtanlage mit 6 Volt.

Welche Reparaturanleitung passt zur 175 SV

Die Reparaturanleitung des Werks gilt für die 125 SV und die 175 SV und nennt im Titel auch die S-Ausführung. Uns liegt die 4. Auflage vor.

Wo bekomme ich Ersatzteile für die 125 SV

Grundlage ist der Ersatzteilkatalog für 125 SV, 125 SVS, 175 SV und 175 SVS mit den Ersatzteilnummern. Auch hier verlangt das Werk Typ und Motornummer. Für gebrauchte Teile lohnt der Blick in Clubs und Foren, der Puchklub aus Grieskirchen etwa führt ein Forum und Kleinanzeigen.

Wie stelle ich die Zündung der SG ein

Bei SG und SGS ohne elektrischen Anlasser soll die Zündung 6,5 bis 7 mm vor dem oberen Totpunkt erfolgen, gemessen am hinteren Kolben. Der Unterbrecherabstand beträgt 0,4 mm. Den genauen Zündzeitpunkt zeigt eine Prüflampe mit 6 Volt und 1 bis 3 Watt, an deren Plus- und Minuspol zwei Kabel angelötet werden. Der Anker wird verdreht, bis die Lampe erlischt. Bei SGA und SGSA gelten dieselben Werte, gemessen wird am Überströmkolben. Dort lässt sich der Anker nicht verdrehen, eingestellt wird am oberen Zündunterbrecher durch Verschieben des Unterbrecherträgers. Die Reparaturanleitung führt dafür einen eigenen Zündungseinstellstift für SGA und SGSA. Bei der TF liegt die Vorzündung bei 6 bis 7 mm, gemessen am rückwärtigen Überströmkolben.

Darf ich einen Beiwagen anbauen

Ja, das Werk hat Anschlusspläne für SG und SGS herausgegeben und nennt vier Bedingungen.

  • Der Seitenwagen darf samt Anschlussteilen höchstens 90 kg wiegen.
  • Die Seitenwagenbremse soll den Bremsen am Motorrad entsprechen, das Seitenwagenrad soll gleich ausgeführt sein wie das Vorderrad.
  • Die Übersetzung wird von 46:15 für den Solobetrieb auf 48:13 geändert.
  • Angeschlossen wird mit drei oder vier Punkten, der Vierpunktanschluss ist vorzuziehen.

Mit drei Personen verlangt das Werk bei der SG 2,6 atü im Hinterrad und 1 atü im Seitenwagenrad. Mit Seitenwagen läuft die SG ca. 85 km/h und die SGS ca. 90 km/h. Bei der TF darf der Seitenwagen höchstens 75 kg wiegen, das Kettenritzel hat 14 Zähne und für ebenes Gelände 15. Die behördliche Zulassung setzt den Anschluss nach den Werkszeichnungen voraus. Die Anschlusspläne enthalten ausserdem einen Sonderdruck der Zeitschrift Austro-Motor aus dem Jahr 1953 mit einem Test der Puch 250 mit Beiwagen.

Welche Anleitung passt zu meiner Puch

250 SG, SGS, SGA und SGSA

250 TF

250 S4 und die älteren 250er

125 SV, 175 SV, 125 TL und 150 TL

Das Fachbuch zur Puch 250

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Werksprospekte und Poster zur SG, SGS, TF und SV finden Sie über die Shop-Suche nach Puch-Postern und Prospekten. Weitere Titel wie die Arbeitspreise für Instandsetzungen an TF und SG oder die Unterlagen zur 250 MCH zeigt die Suche nach Puch 250. Die Anleitungen der 125 T und 125 TT stehen in der Suche nach Puch 125, die der 175 MCH in der Suche nach Puch 175.

Weiterführende Quellen

Alle Werksdaten dieser Seite stammen aus den Betriebsanleitungen, Reparaturanleitungen, Ersatzteilkatalogen und Beiwagen-Anschlussplänen in unserem eigenen Archiv. Fehlt eine Angabe zu Ihrem Puch-Oldtimer, schreiben Sie uns den Typ und die Motornummer, wir suchen den passenden Titel heraus.